Donnerstag, 28. Dezember 2017

Vortrag von Prof. Dr. Detlef Gronenborn zum Thema „Zyklische Prozesse als Erklärungsansatz in der aktuellen Erforschung des Neolithikums“

Ein Beitrag von Katharina Zartner.

In der abschließenden Plenumssitzung für das Jahr 2017 am 14. Dezember war Prof. Dr. Detlef Gronenborn zu Gast. Er ist Vor- und Frühgeschichtlicher Archäologe, ist als Oberkonservator am Römisch-Germanischen-Zentralmuseum in Mainz (RGZM) tätig und an verschiedenen Forschungs- und Ausgrabungsprojekten beteiligt. Seit 2007 ist Prof. Gronenborn außerplanmäßiger Professor an der JGU Mainz und gehört seit kurzem dem Kreis der Kooperationspartner des Graduiertenkollegs 1876 "Frühe Konzepte von Mensch und Natur" an. Erste Kontakte mit dem Kolleg und den Kollegiaten konnte Prof. Gronenborn bereits im Zuge der Vorbereitungen auf die Begehung durch die DFG im September diesen Jahres knüpfen, wobei ihm bereits mögliche Anknüpfungspunkte seiner Forschungen an den Forschungsschwerpunkt A ("Konzepte von Urzuständen und Urelementen, Weltentstehung und Weltuntergang") auffielen. Im Rahmen der Plenumssitzung nutzte er nun die Gelegenheit, sich selbst sowie seine aktuellen Forschungen vorzustellen und mit dem Trägerkreis und den Kollegiaten ins Gespräch zu kommen.

Forschungsgeschichtlicher Ausgangspunkt

Auf die sog. New Archaeology (auch Prozessuale Archäologie oder Prozessualismus), einen entscheidenden Wendepunkt im Bereich der Theoriebildung innerhalb der Archäologie(n), der in den 1960er Jahren seinen Anfang nahm, folgte im Zeitraum von ca. 1990 bis 2010 die sog. Postprozessuale Archäologie, die u.a. noch bis vor kurzem die archäologischen Forschungen zum Neolithikum prägte. Der ursprünglich aus England stammenden Denkströmung lag der Historismus, der von der Einzigartigkeit historischer Ereignisse ausgeht, als fundamentales Konzept zugrunde. Weitere zentrale Ideen waren Individualität, individuelle Entscheidungen, soziale Integration, Identität sowie der Mensch als handlungsfähiger Akteur innerhalb seiner Umwelt. Es wurde eine interne Perspektive eingenommen, von der aus man versuchte, historische Ereignisse oder archäologische Befunde aus sich selbst heraus zu erklären.


Neuere Entwicklungen in der Erforschung des Neolithikums

Seit einigen Jahren bewegt man sich in der archäologischen Forschung allerdings wieder weg von dieser Sichtweise: Die neue Form der neolithischen Archäologie greift teilweise wieder auf Ideen des Prozessualismus zurück, d.h. sie nimmt gezielt ablaufende Prozesse, Dynamiken und Zyklen in den Blick. Prof. Gronenborn fasst diesen neuen bzw. wiederbelebten Ansatz unter den Begriff Neo-Prozessualismus. Welche Mechanismen, welche externen oder internen Auslöser sind dafür verantwortlich, dass es zu einem bestimmten historischen Ereignis kommt? Um diese Frage beantworten zu können, wird eine externe Perspektive eingenommen (oft auch von nicht-Archäologen), die Daten wie Bevölkerungs- oder Klima-Dynamiken explizit berücksichtigt und somit andere Wissenschaftsfelder mit einbezieht. Man geht davon aus, dass ein Zusammenspiel aus verschiedenen äußeren und inneren Einflussfaktoren jegliches Geschehen auf die eine oder andere Art bedingt und dass es unbedingt notwendig für das Verständnis eines archäologischen Befundes oder Sachverhaltes ist, diese Faktoren in der Analyse zu berücksichtigen.
Entscheidend dafür ist die Anwendung neuer methodischer Ansätze: An erster Stelle sind hier die sog. "Big Data" zu nennen, d.h. die Berücksichtigung möglichst umfassender Datenmengen. Wichtig ist auch, Ergebnisse anderer Forschungen mit einzubeziehen, da sich so die Möglichkeit ergibt, Vergleiche zwischen verschiedenen Perioden oder Regionen anzustellen. Der Fokus soll hierbei explizit auf Prozessen liegen und nicht auf Einzelphänomenen; Ziel ist es, die in der Vergangenheit abgelaufenen Dynamiken zu identifizieren. Darüber hinaus können naturwissenschaftliche Daten zu weiteren Erkenntnissen verhelfen, betrachtet man beispielsweise nicht nur die soziale sondern auch die biologische Identität eines Menschen oder einer Gruppe. Schließlich lassen sich über mathematische Modellierung einzelne Faktoren innerhalb eines zuvor erstellten Modells verändern, um so alternative Erklärungen für verschiedene Phänomene in Erwägung zu ziehen, zu testen und gegeneinander abzuwägen.
Trotz oder gerade wegen aller Unterschiede: Prof. Gronenborn betonte, dass Post-Prozessualismus und (Neo-)Prozessualismus sich keineswegs ausschließen müssen, sondern sich ergänzen können. Eine Vereinigung beider Perspektiven kann zu einem vollständigeren Bild von der antiken Lebenswelt führen.


Zyklische Prozesse

Wie es der Name bereits verrät und wie oben erläutert, ist das zentrale Element des (Neo-)Prozessualismus die Betrachtung von Prozessen; einzelne Ereignisse werden nicht isoliert betrachtet, sondern immer als Teil eines solchen dynamischen Prozesses gesehen. Prof. Gronenborn und andere Forscher gehen davon aus, dass die genannten Prozesse in bestimmten Zyklen ablaufen. Diese sind nicht statisch, sondern weisen eine gewisse Anpassungsfähigkeit auf, weshalb auch von adaptiven Zyklen gesprochen werden kann. In Bezug auf eine (antike) Gesellschaft/ein Gesellschaftssystem bedeutet das also, dass auf äußere Einflüsse, wie Umweltkatastrophen oder klimatische Veränderungen, reagiert wird. Eine sozio-ökonomische bzw. gesellschaftliche Gruppe besitzt die Möglichkeit, sich an veränderte Faktoren anzupassen und so schädlichen Einflüssen zu widerstehen, sodass diese keine Gefahr für das weitere Funktionieren und den Fortbestand der Gruppe darstellen. Es besteht also eine Widerstandsfähigkeit, eine Resilienz, die wie ein Schutzmechanismus für das System wirkt.
Vereinfacht gesagt läuft der Prozess also folgendermaßen ab: Ein funktionierendes Gesellschaftssystem wird durch eine Krise bedroht, diese muss erkannt und durch entsprechendes Eingreifen abgewendet werden; gelingt dies, so steht am Ende wieder die (angepasste) funktionierende Gesellschaft. Es ist dieser Mechanismus, der für den Zusammenhalt und das Funktionieren von Gesellschaften sorgt. Die menschliche Handlungsfähigkeit, die Fähigkeit auf verschiedene Faktoren zu reagieren und einzugreifen, formt auf diese Weise die immer wiederkehrenden, sich teilweise überschneidenden zyklischen Abläufe.
Um dieses recht theoretische Konzept zu verdeutlichen, führte Prof. Gronenborn die Beispiele der europäischen Linienbandkeramik und der Michelsberger Kultur an und zeigte, wie sich Resilienz als Ausdruck sozialer Dynamik im materiellen Befund niederschlägt. So kann Dekoration auf Keramikgefäßen bzw. die Veränderung derselben als Indikator für soziale Diversität herangezogen werden, welche ebenfalls zyklisch zu- und wieder abnimmt. Veränderungen der sozialen Diversität wiederum können Prof. Gronenborn zufolge als zyklische Resilienzstrategien gedeutet werden.


Ausblick: Mögliche Anknüpfungspunkte an die Thematik des GRK

An den Schluss seines spannenden und informationsreichen Vortrags stellte Prof. Gronenborn einige Anregungen, inwiefern sich die von ihm präsentierten Ansätze mit der Thematik des Graduiertenkollegs in Verbindung bringen lassen könnten. Unter anderem schlug er die Untersuchung von verschiedenen Zyklenmodellen über einen langen Zeitraum hinweg vor, bspw. von antiken Kulturen über das Mittelalter bis hin zur Neuzeit und Gegenwart. Die verschiedenen am Graduiertenkolleg beteiligten Disziplinen bieten für solche periodenübergreifenden Untersuchungen einen optimalen Ausgangspunkt.
Der Vortrag lieferte auf verschiedenste Arten Denkanstöße für unsere Dissertationsprojekte und wir freuen uns nun auf vertiefende Gespräche mit unserem neuen Kooperationspartner.

 

Donnerstag, 7. Dezember 2017

Vorstellung des Habilitationsprojekts von Sebastian J. Müller: "Natürliche Ideen"

Ein Beitrag von Rebekka Pabst.
 
In der Plenumssitzung am 23. November 2017 gewährte der am GRK 1876 assoziierte Dr. Sebastian J. Müller dem Trägerkreis sowie den Kollegiatinnen und Kollegiaten einen Einblick in sein Habilitationsvorhaben "Natürliche Ideen". Während seiner Präsentation erläuterte er, welche Fragestellungen ihn zur dieser Thematik geführt haben und beantwortet werden sollen.
 

Ziele des Projektes

Ziel des Habilitationsvorhabens von Sebastian J. Müller ist es, dazu beizutragen, soziale und kulturelle Phänomene aus Geschichte und Gegenwart vollständiger erklären zu können. Dabei geht Sebastian J. Müller davon aus, dass bestimmte mentale Repräsentationen natürlicher sind als andere. Sie treten deshalb häufiger auf und besitzen gegenüber anderen, unnatürlichen Repräsentationen einen Vorsprung bezüglich ihrer Dauerhaftigkeit und Wirkmächtigkeit.
 

Fragestellungen und zentrale These

Fragestellungen des Habilitationsvorhabens sind zunächst, weshalb es zu Persistenzen, d. h. dem Bestehenbleiben eines Zustandes über einen längeren Zeitraum hinweg, von religiösen Welterklärungen, Moralsystemen und autoritären Herrschaften kommen kann, die selbst weder universalistisch sind noch sich auf Schaden und Nutzen beschränken.
Die zentrale These von Sebastian J. Müller ist dabei, dass soziale, kulturelle, politische und historische Tatsachen teilweise durch die natürliche Beschaffenheit des menschlichen Geistes erklärt werden müssen. Dieser Umstand führt dazu, dass bestimmte Ideen natürlicher erscheinen als andere. Anders formuliert bedeutet dies, dass manche Ideen für den menschlichen Geist einfacher nachzuvollziehen sind als andere.
 

Evolution und Architektur des menschlichen Geistes

Das Projekt verbindet dabei ganz wesentliche Ergebnisse aus Evolutionsbiologie und -psychologie, Vor- und Frühgeschichte sowie sozialer Anthropologie miteinander. Die Evolution über Millionen von Jahren stellt hierbei die einzige plausible Erklärung für die Bildung einer Struktur des menschlichen Geistes dar, die bestimmte Ideen natürlich und andere unnatürlich macht.
Für die Evolutionäre Psychologie gilt dabei, dass soziale und kulturelle Befunde stellenweise psychologisch erklärt werden können. Annahme ist hierbei, dass es eine universelle kognitive Natur des Menschen gibt und dass die natürliche Beschaffenheit des Geistes die Variabilität menschlichen Handelns und der menschlicher Kultur ermöglicht und begrenzt. 
Dagegen können psychologische Befunde teilweise evolutionär erklärt werden. Zentrale Mechanismen der menschlichen Evolution sind Mutation und Selektion. Diese Regeln der Evolution gelten dabei nicht nur für den menschlichen Körper, sondern auch für den menschlichen Geist. 
Anders formuliert bedeutet dies, dass die Beschaffenheit des menschlichen Geistes eine Folge der Bedingungen ist, unter denen sich dieser entwickelte. Der menschliche Geist ist dabei nicht als Allzweckwerkzeug, sondern viel eher als Werkzeugkasten zu verstehen (Modularität des Geistes).
 

Natürliche und unnatürliche Ideen

Um eine "natürliche Idee" von einer "unnatürlichen Idee" abgrenzen zu können, hat Sebastian J. Müller vier Kriterien entwickelt, die eine Idee erfüllen muss, um als "natürlich" bezeichnet werden zu können. Diese Kriterien sind:
  1. Verständlichkeit: Die Idee ist für den menschlichen Geist einfach nachzuvollziehen und nicht sonderlich komplex.
  2. Relevanz: Die Idee ist in einem bestimmten Kontext von großer Wichtigkeit.
  3. Interessantheit: Die Idee umschreibt ein anregendes Thema/ Themenfeld.
  4. Erinnerbarkeit: Die Idee ist leicht zu memorieren und wiederzugeben.
Nur wenn eine Idee alle vier Kriterien erfüllt, ist sie als eine "natürliche Idee" zu verstehen. Für den Fall, dass keines oder eines dieser vier Kriterien nicht erfüllt werden, ist eine Idee als "unnatürlich" zu definieren.
 

Soziale und kulturelle Phänomene vor dem Hintergrund natürlicher Ideen

Zur Veranschaulichung, was eigentlich "natürliche Ideen" im Gegensatz zu "unnatürlichen Ideen" sind, gab Sebastian J. Müller ein Beispiel zu persistenten Welterklärungen.
So definierte er religiöse Welterklärungen als eine "natürliche Idee". Religiöse Welterklärungen sind bis zum heutigen Tag universell verbreitet und erfreuen sich einer enormen Akzeptanz innerhalb der jeweiligen Glaubensgemeinschaften. Dies steht jedoch im Gegensatz zu ihrem geringen explanatorischen Erfolg. Dagegen dürfen wissenschaftliche Welterklärungen als "unnatürliche Idee" verstanden werden. Sie waren lange Zeit nicht vorhanden und haben sich erst spät entwickelt. Im Gegensatz zu ihrem enormen explanatorischen Erfolg werden sie heute nur stellenweise akzeptiert.
Vereinfachend erklärt, bedeutet dies, dass Religion eine natürliche Idee ist. Die Akteure (Götter, Heilige) der jeweiligen Glaubensrichtungen sind für den menschlichen Geist leicht vorstellbar und nachvollziehbar. Ihre Gefühle, Aktionen und Handlungen besitzen einen hohen Wiedererkennungswert. Der menschliche Geist ist in der Lage, sich mit diesen Figuren zu identifizieren. Dagegen sind (Natur-)Wissenschaften unnatürlich. Ihre Akteure besitzen keinen Wiedererkennungswert und sind für den menschlichen Geist nur schwer zu verstehen. So haben wir beispielsweise keine Idee, keine Vorstellung, kein Bild von einem Elektron, d. h. davon, wie ein Elektron aussieht und was es tut.
 

Fazit

Zusammenfassend lassen sich folgende Erkenntnisse aus dem Vortrag von Sebastian J. Müller ziehen:
  1. Der Geist ist evolutionär entstanden und an die Herausforderungen angepasst, mit denen die Menschen in der Hauptzeit ihrer Entwicklung konfrontiert waren.
  2. Hierdurch sind manche Ideen natürlicher als andere, da sie für Menschen verständlicher, relevanter, interessanter und erinnerbarer sind.
  3. Dies ermöglicht die Erklärung bestimmter sozialer Phänomene, zum Beispiel die Persistenz religiöser Welterklärungen.

Samstag, 25. November 2017

Byzantine Winds at the National Conference of Italian Association of Byzantine Studies

A weblog entry by Laura Borghetti

When the honour of an official invitation to an important conference matches a bit of homesickness, travelling for academic reasons might turn into a truly marvellous experience. This is the way I felt after being invited to present a paper at the "XIV Giornata di Studi dell’AISB – Bisanzio nello spazio e nel tempo. Costantinopoli, la Siria", which took place in Rome on November the 10th-11th, 2017. The two day-long conference was organized by the "Associazione Italiana di Studi Bizantini" – in particular by Prof. Dr. Silvia Ronchey and Dr. Francesco Monticini – under the patronage of the Pontificio Istituto Orientale in Rome that kindly made the grand Aula Magna and other rooms available to the speakers and the audience [fig. 1]. 

Figure 1. Prof. Dr. Silvia Ronchey (Università degli Studi Roma Tre), Prof. Dr. Peter Schreiner (Universität Köln), Laura Borghetti (Universität Mainz) (Photo by Laura Borghetti).


The main aim of the "XIV Giornate" was to offer a wide overview of several aspects of the more recent research in the framework of the Byzantine Studies, from the philological, historical and artistic points of view. What distinguished this conference was its intention to match the authority of university professors – both Italian and international – with the more recent results of younger PhD students’ ongoing projects. This is how students from all over the world (Bloomington – Indiana, Mainz, Oxford, Roma) had the chance to sit and discuss together with outstanding academic personalities, such as Prof. Dr. Giuseppe De Gregorio (Università degli Studi di Salerno), Prof. Dr. Marc Lauxtermann (Oxford University), Prof. Dr. Paolo Odorico (EHESS Paris), Prof. Dr. Antonio Rigo (Università di Venezia Ca’ Foscari, president of the Associazione Italiana di Studi Bizantini), Prof. Dr. Yuri Saveliev (Russian Imperial Academy of Arts), Prof. Dr. Peter Schreiner (Universität Köln) [fig. 2]. The dean of the Pontificio Istituto Orientale himself, Father David Nazaar, also underlined how important it is to support younger scholars in their scientific path, especially in our historico-political era, when much of the former territories of the Byzantine Empire – together with their heritage of artistic masterpieces and manuscript tradition – are constantly threatened by dictatorships, internal wars and terrorism.

Figure 2. The Aula Magna at the Pontificio Istituto Orientale (Rome) (Photo by Laura Borghetti).

In conclusion, I can say that the experience of the "XIV Giornate dell’AISB" was for me very positive and fruitful. Going back to places such as the rooms and library of the Pontificio Istituto Orientale, where I spent long days during my studying time, and having the chance to present the most recent results of my dissertation project ("The Wind in the Macedonian Constantinople. Physics, Topography and Literary Role of a Natural Phenomenon") in that very framework, has been exciting and bracing. Both the exchange of ideas about sources and methodology with PhD colleagues and the positive feedbacks that I received from several academic personalities have made the conference in Rome a great incentive for my upcoming months of research.


Mittwoch, 15. November 2017

A report of the 2nd Meeting of the Research Network “Food in Anatolia and its Neighbouring Regions”, Deutsches Archäologisches Institut Istanbul, November 03-04, 2017

A weblog entry by Sina Lehnig.

Once again, our research network "Food in Anatolia and its Neighbouring Regions" came together at the beautiful location of the Istanbul Department of the DAI (Deutsches Archäologisches Institut). Right behind the building, we were able to enjoy a stunning view of the Bosporus (Fig.1). What could be a better place to discuss the close interrelation between food and culture, than this melting pot between Europe and Asia?

Fig.1: The foreign researchers – including myself – were accommodated in one of the guestrooms at the DAI. From here, we had a wonderful view of the Bosporus (Photo by Sina Lehnig).
The demand for food is a basic human need and therefore a defining characteristic of all societies. What we eat and drink strongly reflects our cultural background, status, mobility and the knowledge we have of our natural environment. Although the investigation of diet could contribute to our understanding of past human societies, research approaches that address the interrelation between food and culture are still rare in the ancient cultural studies. In order to attract more attention to the important topic of past human diet, the Istanbul Department of the DAI has established the research network "Food in Anatolia and its Neighbouring Regions". It is one in a set of five networks that took place over the past ten years, addressing several themes like "Power and Hierarchies in the Urban and Rural Environment" and "Nature and Cult in Anatolia". Each network works for a period of three years, with up to two meetings each year. During the first meeting of the research network in March 2017, the participants – both junior and senior researchers from international institutes and universities – introduced themselves with their main research topics, focusing on dietary issues. It turned out that the participants of our network are investigating food in many different time periods, by using a great variety of methods reaching from the analysis of ancient written sources, over to the examination of pottery, to the study of faunal and botanical remains. These different research approaches obviously bear a great diachronic and interdisciplinary potential for the investigation of ancient diet within the network. A further point of our first meeting was the discussion of key questions that will frame the following sessions. For each session, we assigned a group of participants that will bear the responsibility for the organisation of themes, contributions and the invitation of guest speakers.

Finally we got together again in November 2017 to talk about the topics of "Food and Landscape" as well as "Food and Mobility". The organisational issues of the session were taken care of by Jesko Fildhuth, Bernhard Ludwig, Wolf-Rüdiger Teegen and me. 

It was my responsibility to open our meeting with an introduction to the topic of "Food and Landscape". The aim of my presentation was to sensitize the audience for the theme and to trigger questions that can be asked regarding the several types of landscapes that can be found in Anatolia and the surrounding areas. Since there is still no consistent definition of landscape in archaeology, as a first step, the term itself had to be discussed: Following several definitions of landscape from the scientific disciplines of ecology, geography and archaeology, landscape can be understood as a concept in between human cognition and action on the one hand, and independently existing natural resources on the other hand. Humans encounter a natural landscape and develop techniques to exploit and use this region. Here, the demand for food and drinking, is probably one of the most important factors that caused the human impact on the natural environment. Nevertheless, human knowledge of resource exploitation and cultural techniques, and also the preferences for specific food as well as climatic conditions differ in the case of each time period and region. Therefore, it can be assumed that we are dealing with a great diversity of landscape types in the research area. In order to achieve an interregional and diachronic comparison of the different landscapes in Anatolia, I made the proposal to gather information from the research areas that congregate in our network according to: natural resources available, resources that were actually used or not, cultural techniques applied to exploit a region, introduction of non-local plants and animals, as well as human-induced negative impact on the natural environment. 

Following my introduction, we had two contributions to the topic of "Food and Landscape": Peter Pavúk from the Charles University of Prague talked about natural resource exploitation, animal husbandry and storage in Troy during the Late Bronze Age period. Furthermore, Jean-Denis Vigne from the Muséum national d´Histoire in Paris, France gave a lecture about Early Neolithic Cyprus (Fig. 2). In the focus of his presentation was the introduction– both intentional and unintentional – of animal species, including wild boar, deer and mice from the mainland to the island of Cyprus. While it was possible to observe a transfer of animals, plants, raw material and architecture from the Anatolian mainland during the Early Neolithic, the island had a more isolated and independent development during the later periods. Although we already gained a great insight into food and landscape creation by these two lectures, the topic has the potential for much more presentations, which we will continue to pursue in our next sessions. 

Fig. 2: Jean-Denis Vigne talking about Early Neolithic Cyprus (Photo by Sina Lehnig).
My co-organiser Wolf-Rüdiger Teegen, who is an anthropologist and archaeologist at the Ludwig-Maximilians-Universität München, gave a further introduction to our second guiding theme: "Food and Mobility" (Fig. 3). Here, he focused on indicators of food and human mobility that can be traced by the application of isotope analysis. The study of oxygen isotopes allows us to determine geographic origin. They can help us to understand the trading of animals and the interconnection of different regions. Another interesting point of his introduction was the topic of parasites as markers of mobility. Matching this aspect of mobility, his guest speaker Piers Mitchell from the University of Cambridge, gave a great insight into his studies of parasites, originating from latrines in medieval Palestine (Fig.4). Furthermore, we heard a lecture by Elif Ünlü from the Bogazici University, about the increased trade of agricultural products within Early Bronze Age trade networks in the Eastern Mediterranean. Finally, Eva Winter from the University of Jena closed our conference day with a very entertaining lecture on her research on the role of donkeys in antiquity. 

Fig. 3: My co-organiser Wolf-Rüdiger Teegen giving his introduction to "Food and Mobility" (Photo by Sina Lehnig).

Fig. 4: Our guest speaker Piers Mitchell gave his lecture on parasitology via Skype (Photo by Sina Lehnig).
After discussing food in ancient times the entire day, we developed a great appetite to test some contemporary Turkish dishes. Therefore, to round off the day, the DAI invited us to one of the cosy restaurants nearby the Istiklal Caddesi (Fig. 5). My highlight was the Künefe, a Turkish and Arabic pastry, made from cheese and kadaif noodles, which was served as a dessert. 

Fig. 5: Enjoying Turkish dishes! (Photo by Sina Lehnig).

The next day was dedicated to the visit of the Süleymaniye Mosque (Fig. 6) and its kitchen complexes. Here, we got a guided tour around the area (Fig. 7). 

Fig. 6: Beautiful Süleymaniye Mosque (Photo by Sina Lehnig).

Fig. 7: Our guide and the network in front of the mosque (Photo by Sina Lehnig).

This month's meeting of our research network was again a very fruitful experience for me. I had the possibility to exchange with people who not only have the same research interests as mine, but also are nice, friendly and valuable new contacts for me. It was a lot of fun to talk shop, eat, drink and experience wonderful Istanbul with them. I am already looking forward to our next meeting in March 2018. 

Will keep you posted!


Verleihung des „Human Roots Award“ an Richard Dawkins in Schloss Monrepos

Ein Beitrag von Sebastian Müller.
 
Am 10.11.2017 verlieh das Archäologische Forschungszentrum und Museum für menschliche Verhaltensweisen im Schloss Monrepos erstmals den "Human Roots Award", der für herausragenden Einfluss auf unser Verständnis der Archäologie unserer Verhaltensevolution vergeben wird und dazu beitragen soll, die interdisziplinäre Auseinandersetzung zwischen Pleistozäner Archäologie und den umliegenden Disziplinen zu stärken, die bedeutend für die Erforschung des Lebens der Menschen im Pleistozän sind. Als erster Empfänger dieses Preis wurde kein geringerer als der äußerst renommierte Evolutions- und Verhaltensbiologe Richard Dawkins auserkoren, der einer breiten Öffentlichkeit durch die Theorie des egoistischen Gens, die Memetik und seine vehemente Religionskritik bekannt ist. Auf Einladung der Leiterin des Forschungszentrums, Prof. Dr. Sabine Gaudzinski-Windheuser, nahmen 12 Mitglieder des GRKs an der Preisverleihung teil.

Nach unserer Ankunft im Schloss erhielten wir zunächst Führungen durch das Museum für menschliche Verhaltensweisen, welches in beeindruckender Weise die Lebensformen der verschiedenen Vor- und Frühmenschen von den Australopithecen bis zur Sesshaftwerdung des modernen Menschen und ihren Folgen darstellt und mit einer Vielzahl an Darstellungs- und Interaktionsmöglichkeiten auch fachfremde Besucher sofort fesselt.



Blick ins Museum für menschliche Verhaltensweisen (Foto: Rebekka Pabst).

Hiernach begann die Preisverleihung, die durch eine Erläuterung der Hintergründe und Ziele der Preisverleihung durch Frau Gaudzinski-Windheuser und ein Grußwort von Dr. Bernolf Eibl-Eibesfeldt eingeleitet wurde, dessen Vater Irenäus Eibl-Eibesfeldt, Begründer der Humanethologie, die Schirmherrschaft über den Preis übernommen hat. Es folgten kurze Vorträge von zwei Mitarbeitern des Forschungszentrums, Dr. Lutz Kindler und Dr. Olaf Jöris, die die vielfältigen Leistungen, aber auch die Kontroversen, die Dawkins' wissenschaftliche Laufbahn ausmachen, ins Zentrum stellten.



Frau Gaudzinski-Windheuser eröffnet die Preisverleihung (Foto: Sina Lehnig).

Nach der Preisverleihung kam es dann zum Höhepunkt des Abends, dem Vortrag von Richard Dawkins selbst. Dieser stellte die Entwicklung seines eigenen Feldes, der Verhaltensforschung vor, die sich zur Soziobiologie wandelte und mit der Evolutionären Psychologie einen einflussreichen Ableger erhielt. In diesem Kontext stellt er seine höchst einflussreiche Idee des egoistischen Gens vor. In ihrem Kern läuft diese darauf hinaus, dass eine Verhaltensweise V1 gegenüber V2 dann selektiert wird, wenn durch sie im Verhältnis eine höhere Weitergabe der Gene des Trägers erreicht wird. Zu den Missverständnissen, die zu den Kontroversen um diese Theorie beigetragen haben, äußerte er sich ebenfalls, so zum Argument des Ethnologen Marshall Sahlins, nach dem dies so nicht funktionieren kann, da die mathematische Kompetenz der Angehöriger vieler Kulturen nicht zur Berechnung der Werte von V1 und V2 genügt. Diese verkennt, dass der Mechanismus hinter der Selektion von V1 keineswegs bekannt sein muss, um wirksam zu sein - er betrifft schließlich den gesamten Bereich der Lebewesen, auch solcher, denen wir überhaupt keine mathematische Kompetentz zuschreiben würden.


Richard Dawkins mit Mitgliedern des GRKs (Foto: Rebekka Pabst).

Nachdem wir diese Vielzahl an Impulsen erhalten hatten, durften wir den Abend zu köstlichem, steinzeitlich angehauchtem Fingerfood und Musik ausklingen lassen.
 
 

Dienstag, 7. November 2017

Under the Mediterranean. The Honor Frost Foundation Conference on Mediterranean Maritime Archaeology to commemorate the Anniversary of the Centenary of Honor Frost’s birth on the Island of Cyprus (28 October 1917). 20-23 October 2017, Nicosia, Cyprus.

Blog entry by Mari Yamasaki.
 

The Lady of the Sea and the Honor Frost Foundation

Of an English family, Honor Frost was born in Nicosia, Cyprus, in October 1917. She was a pioneer in the field of underwater and maritime archaeology. She was one of the first to take the archaeological investigation beyond its land borders and into the sea. She explored the submerged harbours of Byblos, Sidon and Tyre; she took part in the excavation of the shipwreck of Cape Gelidonya with George Bass and Peter Throckmorton, and was the first to identify it as a Phoenician vessel, thus demonstrating that Phoenicians were sailing across the Eastern Mediterranean already during the Bronze Age. 
In October 2017, she would have turned 100 years old, and it is to her, Honor Frost, the Lady of the Sea, that this conference was dedicated. The venue was the very modern Campus of the University of Cyprus (Figure 1), which, together with the University of Southampton (UK) is one of the two institutions to offer a degree in Maritime Archaeology. And not by chance, the two organisers, Stella Demesticha and Lucy Blue are chairs of the respective courses in Cyprus and Great Britain. The very first session “In the footsteps of Honor Frost” was thus devoted to the collection of personal memories of the many scholars who had the chance of working with her. Rare photos were shown, funny anecdotes and sweet recollections were narrated during this first touching session, where the scientific admiration for the archaeologist went hand in hand with profound appreciation for the person.

Figure 1. University of Cyprus. Campus (Photo by Mari Yamasaki).

 

The Maritime Cultural Landscape

Honor Frost maintained that the world of a coastal community does not end at the border with water. In the same way a maritime-oriented way of life does not end upon touching the shore. Therefore, the study of the Maritime Cultural Landscape comprises not only harbours and shipwrecks, but also a constellation of land features that denote their marine orientation. The study of this liminal environment may be approached from a variety of perspectives and disciplines as the two sessions dedicated to the topic, namely “Maritime Cultural Landscape” and “Maritimity” proved. The two main threads that the majority of the talks followed may be summarised as: 
  •  Archaeo-geomorphological approaches, focused on the reconstruction of the ancient coastlines;
  •  Ethnoarchaeological approaches, interested in individuating the cultural variables of coastalness through comparison with ethnographical contexts.
The geomorphological case studies chronologically ranged from the Palaeolithic to the Middle Ages, and posed a variety of research questions. Most evident was the concern with the identification of the ancient ports and anchorages: such was the case of the embayment of Marsa Bagoush, presented by Ehmad Khalil, or the geophysical implications in the study of the port of Byblos, as shown in the co-authored paper by George Papatheodorou et al.; another major point was ascertaining the existence of land bridges between islands in the remote past, which would have allowed for an easy access of now isolated sites – or alternatively prove the seafaring ability of some groups of early humans, as was the case with the Inner Ionian Sea Archipelago illustrated by Dimitris Sakellaris et al.. Lastly, Ehug Galili showed the importance of moving the investigation underwater in search for potential submerged sites, by presenting his most celebrated discovery: the submerged Neolithic fishing village of Atlit Yam.
 
The ethnoarchaeological approach focused on the material culture remains that may indicate a marine-oriented and coast-centered lifestyle. A very interesting talk by Linda Hulin examined the evidence for taverns and inns in known Bronze Age harbor towns, which showed an unusual concentration of non-local goods, but in a very small scale. According to her interpretation of the record, many low-profile imported potteries from a variety of different regions suggest the frequentation of the tavern by people of different provenances, engaged in small scale – yet long distance – exchange of goods, or as Michal Artzy proposed, the existence of a sailors meeting place where they would trade their few possessions. My own take on the topic referred to the coastal landmarks – particularly on the architectural features – that may have helped a ship in her sailing towards ports and anchorages (Fig. 2). Shelley Wachsmann proposed a fascinating review of the evidence for the survival of an ancient marine ritual, the Navigium Isisidis, into modern day Orthodox Easter celebrations on the Greek island of Hydra.

Figure 2. The author during her talk (Photo by Francesca Meneghetti).
 

Maritime Cyprus

Being in Cyprus, it would have been impossible to not talk about the peculiarities of this island, located in the middle of the Eastern Mediterranean yet somewhat estranged from the sea for a long portion of its cultural history. The relationship between Cyprus and the Sea is a complex one, which was at the centre of a symposium specifically dedicated to this topic in 1993.[i] Much work has been done in the last 24 years, and during the dedicated session at the present conference, the most recent developments concerning the study of Cypriot harbours and interregional connections were presented. Many were the controversies concerning the location of historical ports known from the literary sources that, apparently, did not match the archaeological evidence. Such was the case illustrated by Nikola Babucic and the Polish research group on the “triple” port of Paphos, which has not yet been identified; or also the Hellenistic port of Amathous, as presented by Jean-Yves Empereur, which appears to have been built with grandiose intents, but was never actually used.
 
An interesting ethnoarchaeological account, which John Leonard balanced between ancient sources and modern accounts from less than a century ago, referred to the carob trade as a major – often neglected – resource of the island, and how the local, agricultural produce bypassed the larger harbours in favour of closer, small anchorages to sell their “brown gold” to avoid duties on the cargo and maximise the individual farmers’ own profit.
 
 

Connected by the Sea

Quite naturally, another main chapter of the conference was dedicated to ancient navigation and connectivity with four sessions dealing with ports and harbours, shipwrecks, ship construction and connectivity. Bernard Knapp (Fig. 3), an authority when it comes to Mediterranean connectivity, presented a brilliant and quite entertaining talk on piracy in the Bronze Age, which reviewed the evidence – or better lack thereof – of a phenomenon already well known from classical sources, the origins of which, however, are still eluding us. Ports and harbours were also the subject of several talks, many of which dealt with the geomorphological problems of locating the ancient structures along sometimes considerably different modern landscapes. The survey and excavation of hellenistic Ainos, conducted by the Mainz Romano-Germanic Central Museum and presented by Thomas Schmidts, brilliantly summarised the difficulties and challenges of dealing with an ever-changing coastal area.

Figure 3. A. Bernard Knapp during his talk (Photo by Mari Yamasaki).

Tightly related to the study of ports is that of ancient ships and their construction. A number of projects were presented, among which I would like to mention here the excavation of a Byzantine merchantman that sunk in the Commercial Port of Rhodes around the second half of 12th century. As Eric Rieth and George Koutsouflakis said, the difficulties in this case lay mostly on the location of the wreck in the channel of a busy port of the Mediterranean. Whilst at a relatively accessible depth, the continuous traffic of large cruise ships represented a hazard both for the remains and for the excavation crew. The controversial decision of re-burying the ship was not unanimously positively judged by the conference audience and was subjected to some criticism. This shows, however, how it is not always possible to reconcile heritage management practices, scientific interest and contemporary economic demands, and that archaeologists who find themselves in such predicaments have often to reinvent the rules and accept difficult compromises. Less dramatic but just as interesting was the account by Avner Hillman and Deborah Cvikel of the exerimental reconstruction of the Ma’agan Mikhael II by following as closely as possible all the evidences for ship building techniques. 
 

The Kyrenia Liberty: sailing back in time

To conclude with another famous ship reconstruction, at the end of the conference we were offered the possibility of sailing on board the Kyrenia Liberty (Fig. 4), the faithful replica of a 4th century BC Greek merchantman that sunk right off the shore of Kyrenia, and named after the find spot. The Kyrenia wreck was in an exceptional state of preservation, which allowed the study of the ship construction techniques, including evidences for maintenance and repairs. Following this study, three experimental replicas were build, differing in those elements that could not be inferred directly from the wreck. The Kyrenia Liberty is the last of them. On board this beautiful craft, we were shown all the characteristics resulting from the lessons learnt from her two predecessors, including a new angle of the stirring oar, a more efficient – and realistic – rigging, and increased manoeuvrability of the single square sail. During our short trip we reached a comfortable top speed of 5 knots (ca. 9 km/h) that would have been sufficient to connect Cyprus with the Aegean and Egypt. Longer experimental trips to the Greek islands have shown the limits and potentials of a seafaring vessel of this type, especially concerning her reliance on favourable winds since ancient square rigs could not tackle. 
 

Figure 4. The Kyrenia Liberty and the flag of the Honor Frost Foundation (Photo by Mari Yamasaki).

And with favourable winds, we sailed in the sunset back to Limassol Marina where we parted ways with new and old colleagues, all of us hoping to continue our research "in the footsteps of Honor Frost".

[i] Karageorghis et al. (Eds.). Proceedings of the International Symposium Cyprus and the Sea. 1995.
 
 
 

Donnerstag, 12. Oktober 2017

Report on the 19th Fish Remains Working Group meeting in Alghero-Stintino, Italy

A blog entry by Mari Yamasaki.

The beautiful cities of Alghero (Fig. 1) and Stintino (Fig. 2) in Sardinia served as the backdrop for the 19th Fish Remains Working Group (also FRWG) meeting from the 1st to the 7th of October. In the course of three intense days of conference, 16 posters and 47 papers – including my own – were presented, with topics spanning from isotopic analysis and DNA sequencing, to ethnographical accounts and archaeological excavation, all sharing one common denominator: the importance of fish remains for understanding the past ways of life.

Figure 1. View of Alghero, Torre Sulis (Photo by Mari Yamasaki)


Figure 2. View of Stintino, Porto Minore (Photo by Mari Yamasaki)

With few exceptions, the study of fish remains is regarded as a minor component when building the larger historical narratives of a site, city or region. The aim of this group of international scholars is precisely to give the right weight to this often neglected piece of evidence. The majority of the participants came from archaeozoological background, but ethnologists, historians and more traditional archaeologists also attended and presented their perspectives on the subject, which often instigated lively and interdisciplinary discussions (Fig.3).


Figure 3.  (Photos by Mari Yamasaki)
a. Opening remarks. From the left: Prof. Piero Bartoloni, Prof. Arturo Morales-Muñiz, Prof. Barbara Wilkens, Dr. Ornella Piras, Dr. Gabriele Carenti
b. Prof. Morales-Muñiz. "The European hake (Merluccius merluccius L.): a deepwater fishery in the Neolithic?"
c. Prof. Richard C. Hoffman. "Who dined extensively on fish in Medieval Europe? A critical consumer reads stable isotope analysis"

Among many brilliant contributions, I believe it is worth highlighting some of them for the originality of their approach. From session 1, Ambra Zambernardi's ethnological account on the relationship between the tonnarotti and their prey, the bluefin tuna, was particularly interesting. With the term tonnarotti, in fact, one does not refer to fishermen just as much as the term Tonno (tuna) does not refer to fish, or the tonnara to fishing. The connection between the tuna, the tonnarotti, and the tonnara is a unique one, something that resembles more the hunt of big game, or even war, than fishing. Traces of parallels between the capture of the Bluefin tuna and battle scenes can be dated back to classical Greece: in Aeschylus' tragedy "The Persians", the slaughtering of the enemies is described as the mattanza, the killing phase of the capture of this giant fish. In Zambernardi's account on the tonnarotti, the deep sense of respect that these men had for their catch was evident. This is also attested by the prayers of atonement recited for the dead tunas after the mattanza. Another aspect that emerged is that, sadly, this traditional practice and the cultural world related to it are rapidly getting lost with the introduction of industrialized fishing strategies.

Taking a leap in the deep past, Ying Zhang's paper in session 2 focused on the Neolithic on the Yangtze River ecosystem and on the state of archaeozoological research in the area with particular reference to the ichthyofaunae. Despite a traditional image of populations dedicated mostly to terrestrial sources, from her studies emerged a picture of communities which consistently relied on fresh water resources. Interestingly, even where marine and brackish fish was available in the estuarine areas, the preference was still leaning towards the riverine sources, with a minimal incidence of marine fauna. As for the latter, the species represented consisted prevalently of large pelagic species such as tuna, shark and whale. Her hypothesis is that these few remains did not indicate the existence of a deep-water fishing strategy, but resulted from the opportunistic exploitation of specimens that were washed ashore by the tide.

In session 3, Arturo Morales Muñiz – one of the top experts in the field of archaeological fish remains for the European Atlantic coast and the western Mediterranean – also addressed the question of the existence of Neolithic deep-water fisheries. Analysis of modern hake from the Mediterranean and from the Atlantic reveal different trophic levels, which in turn allows to differentiate the origin of the fish on the basis of their isotopic signature. The isotopic analysis of archaeological fish remains from the Iberian Peninsula were then compared to the modern ones to confirm that populations in Galician coast would indeed procure their hake from the Atlantic. From this data, it almost appeared that pelagic fishing was commonly practiced already in the Neolithic. However, studying the reproductive behaviour of the hake, it resulted that this species comes close to the shore in relatively shallow waters in spring and autumn. In light of this, it becomes clear how this activity was connoted by a seasonal character, rather than advanced oceanic seafaring technology. 

Another famous name in the study of archaeological fish remains participated in the conference: Omri Lernau – arguably the authority in the field for the Eastern Mediterranean – offered a paper within the forth session. In his talk, he presented the archaeological evidence relative to the consumption of non-kosher fish (simply put, the prohibition to eat any fish without scales) in Israel, for a period spanning between the Bronze Age and the Late Roman times. In his overview of the evidence, he showed how this dietary taboo underwent variable degrees of implementation throughout Jewish history, and only consolidated, together with Israelite identity, in times of crisis – namely under the Babylonian and the Roman domination. Among the non-kosher fish, particularly numerous all over the country were the remains of the African catfish (Clarias gariepinus), a riverine fish that may have lived in the much wetter Bronze and Iron Age Israel. Recent investigation, however, point towards the likelihood that this species was actually imported from Egypt together with another Nilotic fish, the Lates niloticus. As it is a matter of special interest for my dissertation project, I addressed the issue of the imports of the Lates in my own paper in relation to the exploitation of maritime resources and the development of seaborne trade networks in the Eastern Mediterranean Bronze Age, The import of determined fish species from great distances is also accounted for in Medieval Serbia. In her paper, Ivana Živaljević presented the case study of the monastery of Studenica, where large sturgeons were carried via land for well over 200 km. 

On the last day, the conference moved to the fishing village of Stintino, some 40 km north of Alghero, where we were hosted by the Museo della Tonnara (the Museum of the traditional Bluefin tuna fishing). After welcome talks by Antonio Diana, major of Stintino, and Salvatore Rubino, scientific director of the museum and professor of microbiology atthe University of Sassari, we were given some time to visit this small but charming museum displaying the archaeology, technology and personal histories of the all but lost art of the tonnara (Fig. 4), the traditional fishing of the Bluefin tuna (Thunnus thynnus). 

Figure 4. A model representing the net arrangements for the tonnara. on display at the Museo della Tonnara, Stintino. (Photo by Mari Yamasaki)

Following the visit, the last session of the 19th FRWG was held in the conference hall of the museum itself. Here, Richard Hoffmann's paper addressed a very relevant matter concerning the appropriate use of scientific data to answer historical questions. In particular, he made use of stable isotope analysis performed on individuals from a mass grave dated to 15th century Rome, and compared it with the written sources from the same period referring to the fish sold in the city markets. Taken alone, the two studies depicted two rather different scenarios: on the one hand, the isotopic analysis appeared to be consistent with a diet based on Atlantic fish, and thus implied that the Roman marked imported it; on the other, the sources made no mention of such type of fish being sold in Rome at the time. However, after combining these two types of evidence with population and economic data, there emerged a much more intricate picture, where consumption habits intertwine with an increase of trade between Rome and different areas of Europe and, consequently, a more intense movement of people along with their goods and foods (including Atlantic stockfish, for example) into the Italian peninsula. Far from suggesting the import of exotic fish, the most likely explanation was that the analysed individual was probably a foreigner, possibly a trader, who died in Rome during the plague.

In conclusion, the 19th FRWG meeting was a great occasion to highlight the importance of fish remains to understand more than just economic practices, but also gain precious information on the expression of identities and ethnicity through consumption habits. Finally yet importantly, it offered the chance to compare some radically different methods and approaches from a variety of disciplines in two of the most beautiful corners of Italy.

Montag, 2. Oktober 2017

Das Tier im Text und im Buch - Arbeit mit mittelalterlichen Originalcodizes beim 6. Alfried-Krupp-Sommerkurs für Handschriftenkultur an der Universitätsbibliothek Leipzig vom 17.09. bis 23.09.2017

Ein Beitrag von Sandra Hofert.
 
Jeder Codex ist ein unikales historisches Objekt und gibt Auskunft über den zeitgenössischen Umgang mit den verschiedenen Texten. Daher ist bei der Beschäftigung mit mittelalterlichen Texten die Arbeit an den Originalquellen ein zentraler Bestandteil, denn viele Informationen lassen sich nur durch eine Handschriftenautopsie gewinnen (vgl. Abb. 1).

 
Abb. 1: Mittelalterliche Codizes ganz nah.
 
So ist auch die Arbeit mit mittelalterlichen Handschriften ein wichtiger Bestandteil meines Promotionsprojekts und ich habe mich sehr gefreut, dass ich die Gelegenheit bekommen habe, meine Kompetenzen in diesem Bereich weiter auszubauen, und Mitte September 2017 am 6. Alfried-Krupp-Sommerkurs für Handschriftenkultur an der Universitätsbibliothek Leipzig teilnehmen konnte. Gefördert durch die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung sowie durch den Mediävistenverband e.V. bekamen 21 Stipendiatinnen und Stipendiaten aus ganz unterschiedlichen Fachrichtungen die Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen und mit-, aber natürlich auch voneinander zu lernen.
 
Der Kurs war interdisziplinär ausgerichtet: Aus der ganzen Welt kamen Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler verschiedener Fachbereiche wie Philosophie und Philologie, aber auch Geschichts-, Kunst- und Kulturwissenschaft zusammen, um sich mit mittelalterlichen Handschriften als Objekten zu beschäftigen.
 
Das Kursprogramm war äußerst vielfältig: An den Vormittagen hielten etablierte Experten verschiedener Bereiche zahlreiche Überblicksvorlesungen zu ganz unterschiedlichen Themen der Handschriftenkunde: So führten beispielsweise Prof. Dr. David Ganz (Cambridge) und Dr. Christine Glaßner (Wien) in die Paläographie ein, das Team des Leipziger Handschriftenzentrums stellte die Grundlagen der Kodikologie vor, PD Dr. Wolfgang Beck (Jena) gab einen Einstieg in die Schreibsprachenbestimmung und Prof. Dr. Martina Backes (Freiburg), Dr. Falk Eisermann (Berlin) und Dr. Christoph Mackert (Leipzig) führten in das Thema Büchersammlungen und Bibliotheken ein.
 
Prof. Dr. Kathrin Müller (Berlin) gab anhand verschiedener Beispiele von Beatus-Vir-Psaltern einen Einblick in die Vielfältigkeit des Buchschmucks. So zeigte sie beispielsweise die große Schmuckinitiale, die am Beginn des Beatus vir im Psalter von St. Albans aus dem frühen 12. Jahrhundert zu finden ist (Albani Psalter, Hildesheim, St. Godehard, Cod. 1, S. 72). Das große B, das mehr als ein Drittel der Seite einnimmt, zeigt eine gängige Komposition: Die Initiale wird von König David "bewohnt", der ein Buch und eine Harfe in Händen hält, während ihm ein großer Vogel als Symbol für die göttliche Inspiration die Psalmen direkt ins Ohr eingibt (s. Abb. 2).
 
 
Abb. 2: Der Vogel der göttlichen Inspiration.

Nach den jeweiligen Vorträgen gab es Gelegenheit für Fragen und Diskussionen, wobei sich hier besonders die verschiedenen fachlichen Hintergründe der Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer als fruchtbar erwiesen haben und es zu lebendigen Diskussionen kam.
 
Am Mittwoch gab es darüber hinaus noch einen ganz besonderen Abendvortrag, bei dem Dr. Agnieszka Budzinska-Bennett (Basel) nicht nur einen Einblick in die Entstehung und Entwicklung der Notenschrift gab, sondern auch verschiedene Beispiele früher Notation mit musikalischem Leben erfüllt hat, indem sie zusammen mit einer Kollegin die mittelalterliche Notenschrift gesanglich interpretierte (s. Abb. 3).
 


Abb. 3: Musiknotation wird zum Leben erweckt.
 
Außer am Donnerstag, wo eine Exkursion zur Domstiftsbibliothek in Merseburg stattfand und dort u. a. die Merseburger Zaubersprüche bewundert werden konnten, waren die Nachmittage dazu da, sich in kleinen Gruppen intensiv mit je einer Handschrift zu beschäftigen. Dabei wurden dem Kurs verschiedene Handschriften und Fragmente aus dem Bestand der Leipziger Universitätsbibliothek zur Verfügung gestellt, meist lateinische medizinische und/oder philosophische Sammelhandschriften aus dem 13. bis 15. Jahrhundert.

 
Abb. 4: Beispiel: Leipzig, UB, Ms. 1150 1r.
 
Am Ende der Woche konnten schließlich alle Gruppen ihre jeweiligen Ergebnisse vorstellen und im Plenum über ihre Arbeit diskutieren.
 
Es war eine Woche, in der den Teilnehmerinnen und Teilnehmern nicht nur ein vertiefender Einblick in zahlreiche kodikologische Fragestellungen gegeben, sondern v. a. die Arbeit an einem sehr breiten Bestand von Originalobjekten ermöglicht wurde. Ob Pergamentseiten oder Seiten aus Papier, ob ein Wasserzeichen in Form eines Ochsenkopfes oder eines Einhorns, ob ein einfacher Holzeinband oder ein Bezug aus Schweinsleder – eine mittelalterliche Handschrift ist ein unikales historisches Objekt, bei dem Medialität und Inhalt ineinander übergehen. Das konnten die Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler in dieser Woche hautnah erleben.