Dienstag, 20. Dezember 2016

Siebtes Treffen des Berliner Arbeitskreises Junge Aegyptologie (BAJA 7)

Ein Beitrag von Simone Gerhards.

Am Wochenende vom 2. bis 4. Dezember 2016 fand an der Humboldt-Universität zu Berlin das 7. Treffen des Berliner Arbeitskreises Junge Aegyptologie (BAJA) statt, der sich in diesem Jahr mit dem Themenkreis "Funktion/en: Materielle Kultur – Sprache – Religion" auseinandersetzte. Das Treffen des Berliner Arbeitskreises ist ein beliebter Rahmen für fachlichen Austausch, Informations- und Kontaktaufnahme und mittlerweile für Nachwuchswissenschaftler/innen fester Bestandteil des jährlichen ägyptologischen Veranstaltungskalenders. Das diesjährige Treffen bot eine äußerst abwechslungsreiche Auswahl an spannenden Vorträgen, die Einblicke in laufende und abgeschlossene Abschlussarbeiten, Projekte und Grabungen gab. Organisiert wurde das Treffen von Univ.-Prof. Dr. Alexandra Verbovsek und ihrem engagierten Team mit Unterstützung der Ägyptologischen Forschungsstätte für Kulturwissenschaft der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Die Moderationen übernahmen Univ.-Prof. Dr. Richard Bußmann (Ägyptologie, Universität zu Köln) und PD Dr. Dietrich Raue (Kustos am Ägyptischen Museum – Georg Steindorff – Universität Leipzig). Neben Simone Gerhards und Sonja Speck, beide Kollegiatinnen des Graduiertenkollegs, nahmen drei weitere Mainzer Doktorand(inn)en am BAJA 7-Treffen teil.

Auftakt der Tagung bildeten die Grußworte des Organisationsteams sowie die Eröffnungsvorträge von PD Dr. Raue und Univ.-Prof. Dr. Bußmann, die in die Thematik "Funktion/en" einführten. Im Anschluss gab es einen Empfang, bei dem erste Kontakte zu weiteren Forscherinnen und Forschern geknüpft werden konnten.

Funktion/en: vielfältig – differenziert – revidiert

Der Samstagmorgen startete mit zwei Vorträgen von Mitgliedern des BAJA-Teams zur ägyptischen Prä- und Frühdynastik: Catherine Jones (München, LMU) stellte ihre Überlegungen zur Funktion von Gardiner-Zeichen 019 "zoomorphe Struktur" vor, während Tilmann Kunze (Berlin, HU) die Ergebnisse seiner Masterarbeit zum Thema "Das Grab als Wohnhaus" präsentierte und bestehende Forschermeinungen genau unter die Lupe nahm. 

Nach einer kurzen Kaffeepause berichteten Frederike Junge und Nora Kuch (Wien) von groß- und kleinformatigen Funden im Bestattungskontext der Gräber von Helwan, Operation 4 (Helwan-Projekt der Universität Wien), die teilweise als einmalig anzusehen sind. Anschließend stellte Dina Serova (Berlin, HU) – Mitglied des diesjährigen BAJA-Teams – erste Ergebnisse ihres Dissertationsprojekts zum Thema Nacktheit in Gräbern des Alten Reichs vor, wobei auch sie einen ihrer Schwerpunkte auf eine Neubewertung bestehender Forschermeinungen legte. 

Nachdem sich alle bei einer Mittagspause gestärkt hatten, begann Anna Grünberg (Leipzig) die Nachmittags-Session mit einem wissenschaftshistorischen Vortrag über ihre kürzlich abgeschlossene Bachelorarbeit zu den Bestattungsweisen des Alten Reichs in Giza, die sie auf Grundlage der Archivalien des Ägyptischen Museums – Georg Steindorff – der Universität Leipzig rekonstruierte. Anschließend stellte Vera Michel (Heidelberg), Mitarbeiterin am FWF-Projekt "Abläufe einer ägyptischen Stadt – Fallstudie Tell el-Dab'a" des Österreichischen Archäologischen Instituts, drei Lehmfigurinen vor, die bei Grabungen in Tell el-Dab'a entdeckt wurden und bisher schwer einzuordnen sind. Patrizia Heindl (München, LMU) widmete ihre Präsentation im Folgenden ihrer bereits abgeschlossenen Masterarbeit. In dieser interpretierte sie mithilfe einer hermeneutischen Analyse der Rundplastik die Felidenfellträgerstatuen des Monthemhat neu. Einen ersten Vorbericht zu ihrem laufenden Dissertationsprojekt gab im Anschluss Jana Raffel (Leipzig), die die Rollen und Interaktionsmuster altägyptischer Gottheiten in Heiltexten analysierte. Nach einer letzten Kaffeepause des Tages sprach Uroš Matić (Münster) über Ars Erotica in Bezug auf ägyptische Gottheiten. Mit einem diachronen Überblick zu schriftlichen und materiellen Hinterlassenschaften zeigte er den Variantenreichtum der sexuellen Interaktion zwischen Göttern untereinander sowie Göttern und Menschen. Agnes Klische (Mainz) gab im Anschluss eine Bestandsaufnahme der "Trennungsszene" der Götter Geb und Nut und zeigte, dass bei dieser Motivik ein großer Variantenreichtum vorliegt. Der letzte Vortrag des Samstags wurde von Simone Gerhards, der Autorin dieses Blogbeitrags, über die Metapher "Tod ist Schlaf" gehalten. Im Fokus standen zum einen Überlegungen zu deren Universalität, da die Metapher in fast allen Kulturen und Zeiten verwendet worden zu sein scheint, und zum anderen eine methodische Herangehensweise, um kulturelle Spezifitäten in Bezug auf das alte Ägypten herauszuarbeiten. Damit ging der zweite Tag in das Abendprogramm mit äußerst schmackhafter Altberliner Küche über, bei dem die anregenden Diskussionen des Tages bis in den Abend vertieft wurden. 

Objekt: Funktion vs. Bedeutung?

Julia Preisigke (München, LMU) eröffnete mit ihrem Vortrag über die Bittplätze bzw. Gegentempel den dritten und letzten Tag des Treffens. Sie nutzt für ihre Forschungen unter anderem das Open-Source-Programm DepthmapX, um Blickrichtungen und Schrittfolge von Tempelbesuchern zu simulieren und zu zeigen, dass die Bittplätze, anders als bisher vermutet, architektonisch abgeschirmt waren und daher auch deren Funktion nicht eindeutig ist. Im Anschluss sprach Julianna Kitti Paksi (Basel/Paris) über die Hammamat-Inschrift Ramses IV. und ihr Promotionsvorhaben, das eine Untersuchung der Funktionen der linguistischen Varietät in den ramessidischen Texten zum Ziel hat. Julienne Schrauder berichtete über ihr kürzlich begonnenes Dissertationsprojekt zu einigen, bisher unpublizierten, koptischen Manuskripten aus der Heidelberger Papyrussammlung. Den letzten Vortrag der Tagung hielt Ghada Mohammed (Bonn), in dem sie ihre Überlegungen zu Form, Funktion und Bedeutung von personifizierten Zeichen im alten Ägypten vorstellte. Ihr besonderes Augenmerk lag auf den Darstellungen der Anch- sowie Was-Zeichen, die mit Armen und/oder Beinen auftreten können. In der folgenden Abschlussdiskussion wurden noch einmal offenen gebliebene Fragen angesprochen sowie zum Themenkreis "Funktion/en" festgehalten, dass ein "Objekt" neben einer oder mehreren Funktion/en auch eine oder mehrere Bedeutungen haben kann.

Am Sonntagnachmittag hatten die "Bajaner/innen" nach einem gemeinsamen Mittagessen noch Gelegenheit, das Ägyptische Museum und die Papyrussammlung der staatlichen Museen zu Berlin auf eigene Faust zu erkunden. 

Unser Dank gilt Univ.-Prof. Alexandra Verbovsek und ihrem Organisations-Team, den Moderatoren, Vortragenden, Diskutant(inn)en sowie allen weiteren Teilnehmer(inn)en für ein gelungenes, informationsreiches und spannendes Wochenende im vorweihnachtlichen Berlin.

Montag, 19. Dezember 2016

Vortrag von Prof. Dr. Marianne Bechhaus-Gerst – "Sie ziehen auf Kamelen in die Schlacht und werfen ihre Speere." Beja (Sudan) Identität und Kamelwirtschaft in historischer Perspektive

Ein Beitrag von Mirna Kjorveziroska.
 
Im Rahmen der interdisziplinären Ringvorlesung "Kult, Kunst und Konsum – Tiere in alten Kulturen" hielt am 15. Dezember 2016 Prof. Dr. Marianne Bechhaus-Gerst (Universität zu Köln) einen Vortrag über die praktischen Funktionen und kulturellen Semantiken des Kamels bei den Beja, einer nordostafrikanischen Ethnie. Da die Afrikanistik im Fächerspektrum des Graduiertenkollegs nicht vertreten ist, sollte der Vortrag – wie auch der am 10. November 2016 veranstaltete Workshop mit Bechhaus-Gerst während ihres Aufenthalts als Gastwissenschaftlerin am GRK – die Auseinandersetzung mit der grundlegenden binären Chiffre "Spezifität–Universalität" intensivieren und die (Nicht-)Übertragbarkeit der im Graduiertenkolleg herausgearbeiteten Konzepte aufzeigen.
 

Historische und geographische Koordinaten der Beja

Die Beja bewohnen den Sudan, Teile von Eritrea und Ägypten, bzw. den Raum zwischen dem Nil und dem Roten Meer. Definierbar als eine ethnische Gruppe von 1,5 bis 2 Millionen Personen sind sie in erster Linie durch die gemeinsame, als kuschitisch zu klassifizierende Sprache, wobei meistens auch eine weitere Sprachkompetenz, nämlich Kenntnisse des Arabischen, vorauszusetzen ist. Im 6. Jahrhundert wurden sie christianisiert, im 15. Jahrhundert konvertierten sie zum Islam. Die "dezente Marginalisierung", die die Beja heutzutage erleiden, steht im Kontrast zu ihrer früheren politischen Einbindung: Sie waren durch ein Vasallenverhältnis mit großen weltgeschichtlichen Entitäten wie dem Römischen und später dem Byzantinischen Reich verbunden. Die historischen Informationen über die Beja basieren größtenteils auf Fremdquellen (zum Teil unter der antiken Bezeichnung "Blemmyer"), die die generelle, bei ihrer Auswertung stets zu bedenkende Tendenz aufweisen, die Beja-Beschreibungen als Projektionsfläche für diverse Imaginationen des Anderen zu instrumentalisieren, von dem es sich abzugrenzen gilt. Seit dem 5. Jahrhundert sind auch schriftliche Quellen der Beja selbst überliefert, allerdings handelt es sich dabei fast ausschließlich um diplomatische Korrespondenz auf Koptisch oder Griechisch. 
 

Ökonomische Aspekte: Kamelkarawanen

Versucht man, die Verbindung zwischen den Beja und den Kamelen zu datieren, wird man mit divergierenden Forschungsmeinungen konfrontiert, die sich auf eine grobe gemeinsame Aussage reduzieren lassen, dass die interessierende Verbindung um die Zeitenwende bereits vorhanden gewesen sein muss. Die Einführung des Kamels hat die Mobilität der Beja maximiert, sodass sie sich der weiten Wüste nunmehr bemächtigen konnten. Sie kontrollierten die dort befindlichen Smaragd- und Goldminen und indem die Kamele als Lasttiere den Transport der Kostbarkeiten ermöglichten, etablierte sich ein Karawanenhandel, der bis ins 19. Jahrhundert hinein als wichtigste Einnahmequelle für die Beja galt. Mathematisch waren die Karawanen folgendermaßen konfiguriert: Sie umfassten 500 bis 1500 Kamele, wobei je ein Mann für die Versorgung von vier Tieren verantwortlich war. Vor diesem Hintergrund wurden also die Kamele mit dem Wohlstand der Beja assoziiert – nicht zuletzt infolge der Kontiguität mit den Kostbarkeiten, mit denen man sie belud.
 

Gender-Aspekte: Konstruktion von Männlichkeit

Das Kriegertum der Beja stellte für ihre Gegner und Beobachter ein Faszinosum dar, für dessen ästhetische Artikulation das Gedicht Fuzzy Wuzzy von Rudyard Kipling als Paradigma fungiert. Als konstitutive Elemente des Bildes eines Beja-Kriegers wurden die Waffe, das Kamel und die wilden lockigen Haare aufgefasst. Die Reitkunst, die Geschicklichkeit im Umgang mit dem Kamel war als Demonstration von Männlichkeit kodiert; ferner wurde die Kamelmilch als Katalysator von physischen Qualitäten wie Stärke und Attraktivität des Helden mit dem männlichen Schönheitsideal in Korrelation gebracht. Wie genderexklusiv das Kamel konnotiert wurde, können auch einige den Frauen auferlegte Restriktionen bei den täglichen Praktiken illustrieren, etwa dass weiblichen Beja das Melken von Kamelen verboten war. Im Fall der Kamele erscheint die Gender-Logik hingegen invertiert – die weiblichen Tiere wurden infolge ihrer Rolle im Fortpflanzungsprozess aber auch als Reittiere höher geschätzt. Diese Privilegierung manifestiert sich auch darin, dass zur Bewirtung wichtiger Gäste, als ultimativer Gestus der Gastfreundschaft, ausschließlich männliche Kamele geschlachtet wurden, die allgemein weniger vielseitig genutzt werden konnten.
 
Die enge Verbindung zwischen dem Krieger und seinem Kamel lässt sich als Analogon der für die europäische Mediävistik überaus relevanten, in zahlreichen Texten exemplifizierten Relation zwischen dem Ritter und seinem Pferd interpretieren, wodurch ein im Graduiertenkolleg vertretenes Fach apostrophiert wird. Vor dem Hintergrund dieser Parallelisierung der beiden Konstellationen erscheint das Tier, das dem Helden in einer kulturellen Formation zugeordnet wird, als Variable, die sich unterschiedlich (um-)besetzen lässt. Es wird also eine Alternative, ein Substitut des den Mediävisten gut bekannten Pferdes präsentiert, das seine Rolle bei der Modellierung eines Heldenbildes zu übernehmen vermag – eine holzschnittartige Beobachtung, die weitergedacht werden soll, um nicht nur die funktionale Ähnlichkeit zu exponieren, sondern auch die Feintextur der Unterschiede zwischen dem Kamel und dem Pferd als Begleiter des Kämpfers herauszuarbeiten.
 

Sprachliche Aspekte: Zeit- und Raumangaben

Der Umgang mit Kamelen und deren Versorgung war für die Beja ein essentieller Bestandteil des Alltags, eine den Tagesablauf diktierende Routine und beeinflusste ihre Konzeptualisierung von Zeit und Raum. So hat sich ein differenzierter Set von Lexemen entwickelt, die den physiologischen Rhythmus der Kameltränkung als Strukturierungsinstrument des zeitlichen Kontinuums bzw. als Referenzpunkt für Zeitabschnitte postulieren, sodass es je eine separate Vokabel gibt, die etwa das Gehen zur Tränke, die Rückkehr von der Tränke, den ersten oder den zweiten Tag ohne Tränkung bezeichnet und somit als Zeitangabe funktioniert. Ähnlich lässt sich die linguistische Besonderheit beobachten, dass ein einziges Verb komplexe Sachverhalte der Fortbewegung ausdrückt bzw. den Modus und die Richtung der mit Kamelen immer wieder unternommenen Streifzüge lapidar expliziert: "den ganzen Tag in der Hitze reiten, ohne einen Schatten zu finden"; "westlich vom Roten Meer reiten"; "auf das Rote Meer zureiten" etc. Bemerkenswert sind also die starke Präsenz der Kamele im kognitiven Haushalt der Beja und die daraus resultierende linguistische Produktivität eines Tiers, das die Bildung zahlreicher Spezialtermini provoziert hat und ihrer Semantik in diversen Nuancierungen zugrunde liegt.

Freitag, 16. Dezember 2016

Animals in Greco-Roman Consciousness. A lecture by Prof. Stephen Newmyer

A weblog entry by Mari Yamasaki.

On December 1st 2016, within the Lecture Series "Kult, Kunst und Konsum – Tiere in alten Kulturen", Prof. Stephen Newmyer (Duquesne University - Pittsburgh, PA) presented his lecture on the contradictions and interactions between humans and animals in Greco-Roman consciousness.

In the classical Greek philosophization of animals, we mostly witness a clear distinction between humans and animals, denoting a stark superiority of the former over the latter, mostly due to the success of the Aristotelian notion that man alone of all animals possesses intellect. However, as shown by Prof. Newmyer, the picture is more complex than it appears.
Whilst no significant reference to the animal world appears in the Homeric poems, Hesiod is the first to state a hierarchy in creation that puts Man above all other creatures. Humans and gods, although the latter remain infinitely superior to the former, are similar in their ability of producing reasoning, whereas the animals cannot. Such attitude of definite superiority of humans, and their belonging to a group distinct from that of animals, culminates in Aristotle. Not as extreme as the Stoics, who believe that animals solely exist to provide for humans, Aristotle firmly denies their intelligence (although he does make some concession on the qualities of some species).

This position, although predominant, was not the only one in the classical world. The Pre-Socratics, for instance, conceived a most modern approach to animals, recognizing in them emotions and some degree of intelligence. Empedocles considered immoral to eat animals, referring to them as "next of kin", and Pythagoreans would not eat flesh on the principle of inter-species soul transmigration. Plutarch, among the classical authors is the one who most thoroughly discussed the human-animal relationship. In "On the Cleverness of Animals", he hypothesizes an ability of producing language: one, however, that humans are incapable of understanding and that is therefore erroneously interpreted as meaningless noises. This concept is exemplified through the very powerful image of a crying beast led to the butcher. Again, in "On the Eating of Flesh", he openly argues against the consumption of meat. His surprisingly modern positions remain mostly ignored due to the predominance of Aristotelian philosophy. These are found again, centuries later, in Neoplatonic Philosopher Porphyry (3rd, 4th centuries C.E.) who reprises very similar vegetarian positions in his treaty "On the Abstinence from Animal Food".

The ever so pragmatic Roman world proved to be generally less sensitive to the topic of the cruelty towards animals. Practices of intensive-farming are often criticised by Roman authors, and both Pliny and Cicero dedicate a passage to the horrific show of animals being slaughtered in the arena during venationes, such as the one depicted in Figure 1. Even in these two examples, however, compassion mostly arises by the futility and tastelessness of such blood thirsty entertainment, rather than from a real sensitivity towards the animal world. A different attitude is found in regards to the beasts that have served in the army. Some form of respect is often shown for these "veterans", whose service – in a similar way to their human counterparts – should be rewarded with a favourable retirement. 

Figure 1: Detail of a roman mosaic in discovered in Zliten, Lybia, dated 2nd century AD; currently on display at the Archaeological Museum of Tripoli.

The issue on the possession of intellect seems to revolve around a most critical philosophical question: do non-human animals have a soul? And would having a soul make them inedible? In fact, in the case of both Pythagoreans and Pre-Socratics, it is interesting how the possibility that animals might possess a soul is directly related to the reasons to refrain from the consumption of meat (for instance, the firm belief that animals possess souls did not stop other cultures from consuming meat, such as in Japan or among some Native American tribes).

Professor Newmyer’s lecture effectively reminded the audience how the issue on the morality of eating animals and, more generally, concerning their status in relation to humans has been at the centre of a centuries-long debate: one that to all intents and purposes still continues nowadays.

Dienstag, 13. Dezember 2016

Vernetzungstreffen Mainz-Heidelberg

Ein Beitrag von Dominik Berrens.

Das Graduiertenkolleg 1876 "Frühe Konzepte von Mensch und Natur" möchte künftig enger mit dem Heidelberger SFB 933 "Materiale Textkulturen" zusammenarbeiten. Teilweise bestanden zwar bereits zuvor Kontakte zwischen einzelnen Mitgliedern beider Projekte (nicht zuletzt sind die Heidelberger Professoren Joachim Friedrich Quack und Stefan Maul Kooperationspartner des GRK), um aber die Möglichkeiten weiterer gemeinsamer Projekte auszuloten und um sich generell besser kennenzulernen, traf man sich in der Woche vom 05. bis 11.12.2016 gleich zweimal. 

Das GRK in Heidelberg

Am Montag, dem 05.12. machte sich daher eine recht große Delegation aus Mainz auf den Weg nach Heidelberg. Im Rahmen eines Kolloquiums konnte sich das GRK dort präsentieren. Nach einer kurzen Einführung in die Thematik und die Organisation des GRK durch die Sprecherin Tanja Pommerening stellten die beiden Doktorandinnen Imke Fleuren und Stephanie Mühlenfeld erste Ergebnisse aus ihren Promotionsprojekten vor. In einem Tandemvortrag beschäftigten sich beide mit den Konzepten vom Panther in den jeweils von ihnen untersuchten Kulturen. Eindrucksvoll konnten sie so die Möglichkeiten, aber auch die Schwierigkeiten der interdisziplinären Forschung im Rahmen des GRK demonstrieren. Sie zeigten, dass im Alten Ägypten und im mittelalterlichen Europa durchaus Ähnlichkeiten in den Eigenschaften der Pantherkonzepte nachweisbar sind, was auf eine mögliche Universalität oder eine Tradierung solcher Eigenschaften hindeuten könnte. Größtenteils dürften die Konzepte jedoch kulturell spezifisch geprägt sein. Nach den Vorträgen und der anschließenden Diskussion konnten in zwangloser Runde in einem Heidelberger Café Kontakte geknüpft und mögliche Formen der Zusammenarbeit besprochen werden.

Die Mainzer Delegation in der Heidelberger Altstadt (Foto: Sonja Gerke).

Gegenbesuch in Mainz

Der Gegenbesuch der Heidelberger in Mainz fand am Donnerstag, dem 08.12. statt. Im Rahmen der Plenumssitzung des GRK präsentierte der Sprecher des Heidelberger SFB, der germanistische Mediävist Ludger Lieb, kurz das Forschungsprogramm und den Aufbau des SFB. In 22 wissenschaftlichen Teilprojekten und drei sogenannten Serviceprojekten werden nicht nur schrifttragende Artefakte wie Papyri, Ostraka, Inschriften, Amulette etc. untersucht, sondern auch sogenannte Metatexte. Darunter sind Texte zu verstehen, die nicht real existieren, sondern in anderen Texten erzählt oder beschrieben werden. Im Fokus der Untersuchungen stehen dabei die Fragen nach der Materialität der jeweiligen Textträger, aber auch nach der Rolle der schrifttragenden Artefakte in ihrer jeweiligen Kultur, nach ihrer Herstellung und Nutzung und nach ihrer Präsentation.

Anschließend stellten drei Teilprojekte ihre Fragestellungen und erste Ergebnisse vor. Den Anfang machte der Ägyptologe Joachim Friedrich Quack, der eine Einführung in das interdisziplinäre Teilprojekt (A03) zur Materialität und Präsenz magischer Zeichen zwischen Antike und Mittelalter gab. Im Speziellen trug er dabei in Vertretung seiner erkrankten Doktorandin Carina Kühne erste Ergebnisse des ägyptologischen Unterprojekts (UP1) "Ächtungsfiguren und ihre Deponierung" vor. Dabei handelt es sich um figürliche Darstellungen, auf denen eine Feindesliste aufgeschrieben ist. Die genaue Gestaltung dieser Figuren veränderte sich im Laufe der Zeit und reicht von eher abstrakten Darstellungen im Alten Reich zu individuell ausgearbeiteten in jüngerer Zeit. Dieser Wandel in der figürlichen Darstellung geht mit dem der Aufschrift einher. So erhalten die abstrakteren Figuren des Alten Reiches ihre Individualität durch eine konkretere Benennung der Feinde im Text, während die detaillierter ausgearbeiteten Figuren aus jüngerer Zeit keine genaueren Beschreibungen in Textform benötigen.

Als nächstes präsentierte die Alttestamentlerin Friederike Schücking-Jungblut ihr Projekt (C02 UP2) mit dem Titel "Zwischen Literatur und Liturgie – Pragmatik und Rezeptionspraxis poetischer/liturgischer Schriften der judäischen Wüste". Mit ihrer Mitarbeiterin Anna Krauß untersucht sie die erhaltenen Schriftrollen etwa aus Qumran und versucht anhand verschiedener Faktoren (z. B. Format, Layout, Schreiberhände, Zusammenstellung der Texte etc.) Rückschlüsse auf ihre Verwendung zu gewinnen.

Als Beispiel zeigte Anna Krauß das kleine Fragment 4Q448, das vom Anfang einer Schriftrolle aus Leder stammt, deren Umfang jedoch nicht rekonstruiert werden kann. Interessanterweise sind darauf verschiedene Texte (ein Psalm sowie ein Text über König Jonathan Hammelech) erhalten, die auch von unterschiedlichen Händen verfasst wurden. Die genaue Verwendung und auch die Herkunft der Schriftrolle ist daher nicht sicher zu bestimmen und nach wie vor Gegenstand der wissenschaftlichen Debatte.

Zuletzt stellte Ludger Lieb sein eigenes Teilprojekt (C05) vor, das den Titel "Inschriftlichkeit. Reflexionen materialer Textkultur in der Literatur des 12. bis 17. Jahrhunderts" trägt. Hierbei handelt es sich um ein Forschungsvorhaben, das sich nicht direkt mit schrifttragenden Artefakten beschäftigt, sondern mit den bereits erwähnten Metatexten, genauer mit Erzählungen über Inschriften oder Texte. Nach Herrn Liebs allgemeineren Ausführungen gab die Doktorandin Laura Velte Einblicke in die Methodik ihrer Dissertation. Sie reflektierte dabei den Begriff "Metatext" und stellte ihre Theorie zu metanarrativen Verfahren in der Literatur des Mittelalters dar.

Nach jedem Vortrag bot sich ausreichend Raum für anregende Diskussionen, die bei einem gemeinsamen Abendessen noch weiter geführt werden konnten. Sicherlich können auch künftig beide Projekte fruchtbar zusammenarbeiten und von ihrer jeweiligen Expertise in methodischer und inhaltlicher Hinsicht profitieren.

Donnerstag, 8. Dezember 2016

Antrittsvorlesung von Prof. Dr. Alexander Pruß – Bildersturm: Ausmaß und Hintergrund von Kulturzerstörung im Nahen Osten

Ein Beitrag von Tim Brandes.
 
Im Sommersemester 2015 nahm Prof. Dr. Alexander Pruß den Ruf der Johannes Gutenberg-Universität Mainz an und ist seitdem Inhaber des Lehrstuhls für Vorderasiatische Archäologie in Mainz. Schon von Beginn an durfte ihn auch das Graduiertenkolleg "Frühe Konzepte von Mensch und Natur" willkommen heißen, in dem er sogleich zum Mitglied des Trägerkreises wurde und seitdem maßgeblich zur Erweiterung des Themen- und Forschungsspektrums beigetragen hat.
 
Am 24.11.2016 hielt Herr Pruß nun seine Antrittsvorlesung an der Universität Mainz. Das Thema dieser Vorlesung weist zwar keine direkte Anlehnung an die Forschung des Graduiertenkollegs auf, soll an dieser Stelle aber dennoch Erwähnung finden, da es grundsätzlich alle Altertumswissenschaften berührt und im besonderen Maße natürlich diejenigen, die sich mit dem Alten Orient im weitesten Sinne beschäftigen.
In eben jener Vorlesung mit dem Titel "Bildersturm: Ausmaß und Hintergrund von Kulturzerstörung im Nahen Osten" widmete sich Herr Pruß einem Thema, das vor dem Hintergrund der andauernden bewaffneten Konflikte  sowohl in Syrien als auch im Irak  eine leider allzu aktuelle Brisanz besitzt.
 

Medienwirksame Zerstörung antiker Stätten: Nimrud und Palmyra

Den Verlust für die Forschung machte Herr Pruß eingangs am Beispiel Nimruds fest, einer der Hauptstädte des neuassyrischen Reiches, das bis zum Ende des siebten Jahrhunderts v. Chr. die dominierende politische Macht des Vorderen Orients darstellte. Aus eben jener neuassyrischen Epoche sind unzählige schriftliche und bildliche Zeugnisse überliefert, die sich als unschätzbar wertvoll für die Erforschung des Alten Orients erwiesen haben. So stellen die neuassyrischen Reliefs, u.a. aus Nimrud, die wohl umfangreichste zusammengehörige Gruppe von Bildquellen aus dem Alten Orient insgesamt dar.
Gerade diese antike Ruinenstätte Nimrud hat in jüngster Zeit für traurige Schlagzeilen gesorgt, da sie medienwirksam und somit als deutliche Provokation vom sogenannten IS zerstört wurde. Doch Nimrud war bei weitem nicht die einzige kulturell bedeutsame Stätte, die diesem Schicksal anheim fiel: Inzwischen war mehrfach auch die ebenfalls bedeutsame Stadt Palmyra in Syrien das Ziel gezielter Zerstörungen. So wurde 2015 der bis dato gut erhaltene Baal-Tempel ebenfalls vom IS gesprengt.
 

Weitere, weniger bekannte Formen der Kulturzerstörung

Herr Pruß machte weiterhin darauf aufmerksam, dass diese medienwirksamen Zerstörungen leider bei weitem nicht die einzigen ihrer Art sind. So ist beispielsweise weniger bekannt, dass sich ein erheblicher Anteil dieser Attacken nicht gegen antike, vorislamische Kulturgüter richtet, sondern dass ihnen im Gegenteil v.a. islamisches Kulturgut zum Opfer fällt.
Doch die Zerstörung durch religiöse Extremisten ist gemäß Herrn Pruß leider nicht die einzige Gefahr für die Kulturgüter des Vorderen Orients. Schon bei den ersten Ausgrabungen durch Europäer, die der Methoden der modernen Archäologie entbehrten, wurde mitunter ein erheblicher Schaden angerichtet. Auch heutzutage stellen illegale Raubgrabungen, gerade im Zuge der andauernden Konflikte, ein erhebliches Problem dar und hinterlassen der Forschung einen irreparablen Schaden. Nicht zuletzt kommt es im Rahmen der Kriegshandlungen auch zu unbeabsichtigten Zerstörungen. Als Beispiel führte Herr Pruß Aleppo auf, wo im Zuge der Kampfhandlungen beispielsweise der antike Tempel des Wettergottes sowie die berühmte Freitagsmoschee zerstört wurden.
 
Herr Pruß beendete seine Antrittsvorlesung jedoch mit einem Lichtblick, indem er darauf hinwies, dass es durchaus lokale Bemühungen gibt, in Mitleidenschaft gezogene Kulturgüter wieder zu restaurieren. Er folgerte daraus, dass es im Sinne des Kulturgüterschutzes zu unserer Aufgabe gehört, solche Projekte zu fördern.

Samstag, 3. Dezember 2016

Vortrag von Prof. Salima Ikram – Animals as Intercessors and Ex Votos: The Case of Animal Mummies in Ancient Egypt

Ein Beitrag von Sonja Speck.
 
Am 17. November 2016 konnte das Graduiertenkolleg Prof. Salima Ikram von der Amerikanischen Universität Kairo als Gastrednerin unserer Ringvorlesung "Kult, Kunst und Konsum – Tiere in alten Kulturen" zum Thema "Animals as Intercessors and Ex Votos: The Case of Animal Mummies in Ancient Egypt" begrüßen. Salima Ikram ist die Koryphäe auf dem Gebiet der Tiermumien und dem Phänomen ihrer massenhaften Stiftung in riesigen Katakomben seit der ägyptischen Spätzeit. Aufgrund ihrer herausragenden Expertise in einem der Stammthemen der Ägyptologie, den Mumien, aber auch aufgrund ihrer unerschrockenen und mutigen Art sich diesem Thema von seiner unglamourösen, praktischen Seite zu nähern, ist Salima Ikram als häufig angefragter Gast in Dokumentationen zum Alten Ägypten über die Fachgrenzen hinaus bekannt und geschätzt.
 

Experimentelle Archäologie

Ein zentraler Ansatz von Salima Ikrams Erforschung der Tiermumien ist die Experimentelle Archäologie, d. h. durch Texte und die Mumien selbst überlieferte Mumifizierungstechniken werden an Hasen, Schafen und anderen Tieren ausprobiert und überprüft. Unter anderem stellte Salima Ikram dem Publikum fertiggestellte Hasenmumien, von denen jede einen niedlichen Spitznamen trug, sowie den explodierten Hasen Mopsy vor, der es als Vergleichsprobe nicht bis zur Mumie geschafft hatte. Die Mumifizierung von Tieren läuft genauso ab wie die von Menschen. Ein Unterschied ist, dass bei Tieren das Gehirn meist nicht entfernt wird, da es zu klein ist, um beim Verbleib in der Mumie Schaden anzurichten. Es hat sich im Experiment herausgestellt, dass man für die Arbeit an einer Tiermumie ein ganzes Team von Mumifizierern braucht, insbesondere bei größeren Tieren. Basierend auf archäologischen Funden von Mumifizierungsgeräten und praktischen Experimenten konnte Salima Ikram zudem eine Mumifizierungspraxis nachweisen, die das Auflösen der Innereien durch Zedernöleinläufe und deren anschließende Entfernung über den Anus durch (vorsichtigen!) Druck auf den Körper beinhaltet. Eine andere Technik, die ebenfalls vor allem bei kleineren Tieren angewendet wurde, ist das Eintauchen des ganzen Tieres in eine Mischung aus Öl, Harz und Teer und das anschließende Umwickeln mit Leinenbinden.
 

Bedeutung und Funktion von Tiermumien in Ägypten

Die Mumifizierung in Ägypten diente dazu den Verstorbenen zu vergöttlichen, damit der Ba, eine Art mobiler Teil der Seele, in den Körper zurückkehren und der Verstorbene im Jenseits weiterleben kann. Salima Ikram stellte die Frage in den Raum, ob die Mumifizierung von Tieren darauf schließen lässt, dass man glaubte, dass Tiere ebenso wie die Menschen die ägyptischen Äquivalente einer Seele besaßen. Eindeutig kann diese Frage nicht beantwortet werden, jedoch spricht laut Salima Ikram einiges dafür, dass sie zu bejahen ist.
Darüber hinaus wurden Tiermumien zusätzliche Funktionen zugeteilt, sodass sie in verschiedenen Kontexten vorkommen konnten sowie unterschiedliche Behandlungen erfuhren. Salima Ikram teilt die verschiedenen Arten von Tiermumien folgendermaßen ein:
  1. Haustiere
  2. Nahrung
  3. Heilige Tiere
  4. Votive für bestimmte Götter oder als Geschenke an den königlichen Kult
  5. Andere
Es sind mehrere prominente Fälle bekannt, in denen mumifizierte Haustiere gemeinsam mit den Mumien ihrer Besitzer bestattet wurden. So wurde beispielsweise bei der Gottesgemahlin Maatkare in der Cachette von Deir el-Bahari (DB/TT320) die Mumie eines kleinen Äffchens gefunden. Gräber von einzelnen Tieren existieren auch im Tal der Könige. Man muss davon ausgehen, dass diese Tiere zu Lebzeiten als Haustiere im königlichen Palast gehalten wurden und dem König bzw. der königlichen Familie zuzuordnen sind.
Als wichtigstes Beispiel für die "heiligen Tiere" ist der Apis-Stier zu nennen, dessen Kult bereits in der 1. Dynastie (frühes 3. Jt. v. Chr.) begann. Nach dem Tod des Apis-Stiers wurde sein Leichnam mumifiziert und in einem riesigen Steinsarkophag in den Serapeum-Katakomben bestattet und an die Stelle des verstorbenen Tiers trat ein neuer Apis-Stier.
 

Tiermumien als Votive

Zahlenmäßig am häufigsten sind Tiermumien, die als Votive in bestimmten Götterkulten gestiftet wurden. Diese Votive wurden in kilometerlangen unterirdischen Galerien z. B. in Tuna el-Gebel und Saqqara abgelegt und aufbewahrt. Unter den Votivtiermumien sind wiederum die Ibisse, die Thot gestiftet wurden, am häufigsten. Die Haltung von Ibissen ist generell einfach, da man sie lediglich füttern muss, um zu gewährleisten, dass sie an Ort und Stelle bleiben. Auch Katzenmumien sind relativ häufig. Im Röntgenbild ist bei den meisten ein gebrochenes Genick zu erkennen. Katzen wurden demnach speziell für ihre Mumifizierung getötet bzw. geopfert und nicht erst nach einem natürlichen Tod mumifiziert.



Abbildung: Ägyptische Tiermumien (Bildquelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:British_museum,_Egypt_mummies_of_animals_(4423733728).jpg).

In den Galerien von Abu Rawash wurden Spitzmausmumien in großer Zahl aufbewahrt. Die Spitzmäuse wurden aufgrund ihrer geringen Größe einzeln in Leinen eingewickelt und anschließend zu mehreren in ein Bündel verpackt oder in winzige Einzelsärge gelegt, die z. T. kleine Spitzmausbronzen auf dem Sargdeckel aufweisen. Die Spitzmaus ist die nächtliche Erscheinung des Sonnengottes, weshalb die Spitzmausmumien mit dem Kult des Sonnengottes in Abu Rawash assoziiert sind.

Saqqara hingegen ist mit Anubis assoziiert. Aufgrund der schakal- und hundeartigen Gestalt des Gottes wurden in Saqqara vor allem Hundemumien gestiftet. In den Katakomben von Saqqara wurden insgesamt 7,8 Millionen von ihnen gefunden, die meisten Tiere waren zum Zeitpunkt ihrer Mumifizierung noch im Welpenalter. Die große Zahl der Hundemumien spricht dafür, dass in der memphitischen Region rund um Saqqara große Hundefarmen allein für den lokalen Kult Welpen produzierten. Die gigantische Menge an Tiermumien allein belegt, welch großes Geschäft mit dem Glauben der Menschen und ihrem Wunsch Votive zu opfern gemacht wurde. Dazu gehörten ebenso wie die Herstellung und der Verkauf der Tiermumien der Bau der Galerien an sich, deren Unterhalt, die Dienste der Priester, die Züchtung der Tiere, die Versorgung der Pilger etc. Man war offenbar gewillt große ökonomische Anstrengungen auf sich zu nehmen, um an den Kulten rund um die Tiermumien teilzunehmen.
 

Tiere und Natur in der Altägyptischen Kultur

Die Tiermumien sind nur ein Beispiel für die zentrale Rolle, die Tiere im Glauben der Alten Ägypter einnahmen. Ein tieferes Verständnis dieser Rolle erfordert laut Salima Ikram nicht nur die Auseinandersetzung mit den kulturellen Hinterlassenschaften des pharaonischen Ägyptens, sondern auch die Beobachtung der Natur. Daher bezeichnet sich Salima Ikram selbst als Anhängerin des Naturdeterminismus. Die Maxime lautet "Nature is a key to culture". Die natürliche Umgebung, die die Menschen in Ägypten vorfanden, bedeutete zugleich Rohstoffgrundlage und Inspiration in Schrift, Architektur und Ikonographie. Auch in Religion und Gesellschaft fanden Tierbeobachtungen Eingang als Metaphern für abstrakte Vorstellungen.
 

Diskussion

In der anschließenden Diskussion kamen verschiedene Tiere, die im Vortrag nicht vorkamen, zur Sprache, darunter die Schweine, von denen bisher keine Mumien gefunden wurden. Eine mögliche Erklärung ist ihre Assoziation mit dem Götterfeind Seth. Ein weiteres mit ihm assoziiertes Tier, der Esel, wurde ebenfalls nicht mumifiziert. Fische und insbesondere Welse können als Mumien in Ritualdeponierungen vorkommen. Allerdings ist unklar, mit welcher Gottheit sie assoziiert wurden. Siedlungsfunde belegen außerdem, dass Welse auch Speisefische waren. Auf die Frage, ob größere Tiere abgesehen von Stieren mumifiziert wurden, nannte Salima Ikram die Pferdemumie, die im Grab des Senenmut, eines der einflussreichsten Beamten unter der Königin Hatschepsut, mit einem Satteltuch in einem Holzsarg bestattet wurde. Das Tier war zum Zeitpunkt seines Todes bereits älter und war wahrscheinlich das geschätzte, persönliche Reittier des Grabherrn. In der Regel wurden bestimmten Göttern jene Tiere als Mumien gestiftet, in deren Gestalt sie gezeigt werden konnten. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, welche Tiermumien dem hybriden Wesen Anubis geopfert wurden. Diese waren vor allem Tiere, die der Gestalt Anubis irgendwie ähnelten, v. a. Hunde, aber auch Schakale, einige Füchse und Hyänen.