Freitag, 27. Mai 2016

6th Annual Workshop of the Graduate Exchange in Late Antique, Byzantine and Early Medieval History between the University of Vienna, Oxford, Mainz, Freie Universität Berlin and Princeton

Ein Beitrag von Tristan Schmidt.

Unter dem Motto „Being a part of the network” fand am 19. und 20. Mai 2016 der 6. Workshop eines Graduiertenaustauschs zwischen den Universitäten Wien, Oxford, Mainz, Berlin (FU) und Princeton, N.J., statt. In diesem Jahr trat Princeton als Gastgeber der Veranstaltung auf, deren Ziel es ist, Professoren und Doktoranden aus den genannten Universitäten international miteinander zu vernetzen und den Austausch zu fördern. Den Doktoranden wurde darüber hinaus ein Forum geboten, ihre Dissertationsvorhaben aus den Bereichen der spätantiken, byzantinischen und frühmittelalterlichen Geschichte vorzustellen und zu diskutieren.
 
Als Kooperationspartner entsandte der Leibniz-WissenschaftsCampus Mainz vier Doktoranden. Die Johannes Gutenberg-Universität und das Graduiertenkolleg 1876 traten als weitere Förderer auf, indem sie die Reisekosten übernahmen. Stellvertretend für die betreuenden Professoren begleitete Prof. Dr. Johannes Pahlitzsch die Mainzer Delegation.
 
Das umfangreiche, zweitägige Vortragsprogramm umfasste unter anderem Themen der spätantiken und mittelalterlichen Rechtsgeschichte, Untersuchungen zur byzantinischen Kaiserideologie und Repräsentation sowie Arbeiten über Erzählstrategien mittelalterlicher Geschichtsschreibung und bildete damit ein breites Forschungsspektrum ab. Darüber hinaus boten die Gastgeber zahlreiche Möglichkeiten des Austauschs. Im kommenden Jahr wird Mainz die Rolle des Gastgebers übernehmen.
 
Teilnehmer und Vorträge aus Mainz:
  • Eric Freund, Telling the story through conflicts. A narrative approach on Widukinds deeds of the Saxons (Betreuer: Prof. Dr. Ludger Körntgen, Mittelalterliche Geschichte).
  • Stephan Hones, The legislation against heretics from Theodosius I to Theodosius II (Betreuerin: Prof. Dr. Marietta Horster, Alte Geschichte).
  • Jessica Schmidt, Being a part of the network – late byzantine painter workshops on Crete: the example of the so-called Veneris-Workshop (Betreuerin: Prof. Dr. Vasiliki Tsamakda, Christliche Archäologie und Byzantinische Kunstgeschichte).
  • Tristan Schmidt, A lion protecting the flock – Byzantine emperors depicted by lion imagery in twelfth and thirteenth century court literature (Betreuer: Prof. Dr. Johannes Pahlitzsch, Byzantinistik; Prof. Dr. Sabine Obermaier, Germanistik).
 
Abb. 1: Mainzer Teilnehmer des Graduiertenaustauschs in Princeton.
 
 

Donnerstag, 12. Mai 2016

Blogbeitrag zu den Vorträgen von Dominic Bärsch und Tristan Schmidt in der Plenumssitzung vom 28. April 2016

Ein Beitrag von Katharina Hillenbrand.
 

Am 28. April 2016 gaben Dominic Bärsch und Tristan Schmidt in zwei separaten Vorträgen Einblicke in den aktuellen Stand ihrer Arbeiten.

Den Anfang machte Dominic Bärsch mit seinem Vortrag "Räume des Untergangs". Diesem stellte er zunächst einige Überlegungen zum Begriff des Konzeptes voran, den er seiner Arbeit zugrunde legt. Nach bisherigem Stand lasse sich erkennen, dass Konzepte vom Weltuntergang in zwei Richtungen gedacht würden, nämlich einerseits als analeptisch, also als Ereignisse, die bereits stattgefunden haben und andererseits als proleptisch, also als in der Zukunft eintreffend. Die zahlreichen Einzelkonzepte bestünden aus einer beschränkten Anzahl von Wissensbausteinen, die bei der Übernahme eines Konzeptes durch einen Rezipienten ausgetauscht werden könnten, so dass ein Rezeptionsprozess auch immer einen Transformationsprozess darstelle.

Anschließend führte Dominic Bärsch die Hauptmethoden seiner Arbeit an, zum einen "Intertextualität und Wissen", zum anderen "Narratologie". Im ersten Feld untersucht er, wie durch unterschiedliche Zitier- oder Anspielungsstrategien Verbindungen zu Prätexten und in diesen verhandelten Wissensbausteinen hergestellt und dadurch Konzepte konstruiert werden. Die zweite methodische Annäherung, die auch im Zentrum seines Vortrags stehen sollte, beschäftigte sich mit der Frage, wie und durch welche narrative Mittel literarische Texte erzeugt werden, die wiederum Weltuntergangskonzepte enthalten.

Zur Verdeutlichung wählte er die narrative Erzeugung von Räumen und stellte dazu die Grundthese auf, dass literarische Raumkonzeptionen immer an Inferenz-Prozesse der Rezipienten gebunden sind, die durch einen Rückgriff auf ihr Langzeitgedächtnis und das darin gespeicherte Wissen einen Raum erst imaginieren können. 

In vier Textbeispielen veranschaulichte Dominic Bärsch, wie in unterschiedlichen Flutbeschreibungen Ansätze von Raumbeschreibungen zu erkennen sind, die jedoch von der Ergänzung durch das Hintergrundwissen der jeweiligen Rezipienten abhängen. Zudem konnte gezeigt werden, wie die Dichotomien des natürlichen Raumes – beispielsweise von oben und unten – umgekehrt werden, um zu verdeutlichen, dass bei einem Untergang der Welt in Wasser die natürliche Ordnung der Dinge vollständig umgekehrt wird, was zudem durch verschiedene adynata in den Texten unterstrichen wurde.

Nach einer regen Diskussion folgte der Beitrag von Tristan Schmidt mit dem Thema "Die Bildlichkeit des Raubtiers als Mittel der Ausgrenzung und Entfremdung sozialer Gruppen in der byzantinischen Hofliteratur (XII. Jhd.)".

Die Präsentation behandelte pejorative Tiersymbolik, die im herrscherbezogenen politischen Diskurs des byzantinischen 12. Jahrhunderts dazu eingesetzt wurde, soziale Gruppen und Einzelpersonen, die aus Sicht der Autoren als fremd und bedrohlich wahrgenommen wurden, zu charakterisieren, zu diffamieren und auszugrenzen. Dazu nahm Herr Schmidt enkomiastische Reden sowie Historiographie und Chroniken in den Blick, die im genannten Zeitraum im Umfeld des Hofes in Konstantinopel entstanden und rezipiert wurden.

Der Vortrag widmete sich vor allem der Bildwelt des wilden und bedrohlichen Raubtieres. Diese wurde sowohl auf ethnisch-geographisch fremde Gruppen bezogen, als auch, um Personen, die den eigenen Normen und Werten (scheinbar) zuwiderhandeln, auszugrenzen. Gerade der bis in die Antike zurückreichende Barbarendiskurs übte hier großen Einfluss aus. Die Bildlichkeit des wilden Tieres ist zudem mit weiteren Modellen verknüpft, wie jener des kaiserlichen Guten Hirten.

In einem zweiten Teil stellte Herr Schmidt dann ein spezielles Motiv und dessen symbolischen Gehalt genauer vor, nämlich das Bellen des Hundes. Während der Hund in verschiedenen Diskursen, etwa im Zusammenhang mit in der Aristokratie beliebten Jagdbeschreibungen, sehr positiv konnotiert war, konnte er auch als pejoratives Bild genutzt werden, das die Aus- und Abgrenzung einer bestimmten Gruppe oder Person bedient. Aspekte wie Unreinheit, Tollheit und eine Verbindung zum Dämonischen kommen bei diesen Zuschreibungen zum Tragen. An diesem speziellen Beispiel wurde gut erkennbar, wie ein bestimmtes Bild, in diesem Falle das des Hundes, je nach Kontext positiv wie negativ behaftet sein konnte und damit sehr vielschichtig interpretierbar war. In diesem Fall dominierten bestimmte negative Aspekte, die auf bestimmte Gruppen – hier fremdgläubige Gegner und Häretiker – übertragen werden