Samstag, 19. September 2015

14. Mainzer Wissenschaftsmarkt am 12. und 13. September 2015

Ein Beitrag von Tim Brandes.

Am 12. und 13. September war es wieder soweit und der Wissenschaftsmarkt Mainz öffnete unter dem Motto "Mensch der Wissenschaf(f)t: Menschen und Wissenschaft im Dialog" seine Pforten. Dieses Jahr war zum ersten Mal auch das GRK 1876 "Frühe Konzepte von Mensch und Natur" mit einem Stand vertreten. Mit dem Programm "Das Wissen vom Tier – geschaffen von Dir!" präsentierten die Doktorandinnen und Doktoranden das GRK und seine Forschungsbereiche.

Das von den Kollegiatinnen und Kollegiaten im Rahmen der Klausurtagung des letzten Jahres erarbeitete Programm, galt es im Vorfeld des Wissenschaftsmarktes allerdings noch in die Tat umzusetzen. So wurden beispielsweise Poster, Postkarten, Flyer und Broschüren erstellt und gedruckt, die Materialien für das Kinderprogramm (Abb. 1) wurden vorbereitet und zuletzt entstand sogar ein eigener Infopfeiler (Abb. 2).
 
Abb. 1: Die vorbereiteten Materialien für das Kinderprogramm
(Foto: Katharina Hillenbrand).
Abb. 2: Der Rohbau des Infopfeilers (Foto: Katharina Hillenbrand).
 

Der Pfeiler war Teil des Erwachsenenprogramms "Wie sich der Mensch sein Wissen schafft – Vorstellungen vom Löwen in den alten Kulturen". Dieses stand, wie der Titel vermuten lässt, ganz im Zeichen des Löwen. Anhand ausgewählter Texte und Bilder, die an dem Pfeiler angebracht wurden, konnten sich Interessierte ein Bild davon machen, welche Vorstellungen hinsichtlich des Löwen in verschiedenen vom GRK untersuchten alten Kulturen vorherrschten und mit welchen Eigenschaften und Personen das Tier in Verbindung gebracht wurde (Abb. 3). Ergänzt wurde der Pfeiler durch zwei Poster, die das Dargestellte näher erläuterten.


Abb. 3: Interessierte Besucher am Stand des GRK. In der Mitte: Der fertiggestellte Infopfeiler des GRKs
 (Foto: Silke Bechler).
 
Auch das eigens erstellte Programm für Kinder "Löwenstark: Kinder schaffen Wissen vom Tier" war mit von der Partie und erfreute sich großer Beliebtheit. Hierbei konnten die Kinder auf verschiedenfarbigem Pappkarton aufgezeichnete Körperteile von Tieren (Abb. 4) ausschneiden und sich so ihr eigenes (Phantasie-)Tier zusammenbasteln – eine Analogie zum kulturübergreifenden Konzept des Mischwesens, das sich meist aus den Körperteilen bekannter Tiere zusammensetzte. Alternativ war es den Kindern auch möglich, sich in Anlehnung an das Erwachsenenprogramm eine individuelle Löwenmaske zu gestalten. Die Mühen der Vorbereitung und Durchführung wurden großzügig belohnt und so freuten sich alle Beteiligten über das rege Interesse der Besucher am vorbereiteten Programm und am GRK selbst.
 
Abb. 4: Der "Basteltisch" mit den vorbereiteten Materialien. Im Vordergrund: Bunte Tiere aus Pappkarton
(Foto: Silke Bechler).
 

Mittwoch, 16. September 2015

5e Rencontre internationale Études Ptolémaïques - 5. Ptolemäische Sommerschule, Montpellier, 6.-9. September 2015

Ein Beitrag von Victoria Altmann-Wendling.

Die 5. Ptolemäische Sommerschule fand vom 6. bis 9. September im südfranzösischen Montpellier (Abb. 1) in den Räumen des Centre national de la recherche scientifique (CNRS) statt. Sie wurde von Ivan Guermeur (Montpellier) und Laurent Coulon (Lyon) organisiert. Die Ptolemäische Sommerschule ist ein regelmäßiges Treffen internationaler Forscher, die auf die Bearbeitung hieroglyphischer Texte der griechisch-römischen Zeit Ägyptens spezialisiert sind. Dabei werden besonders schwierige Texte mit Übersetzung und Deutung vorgestellt und gemeinsam diskutiert. Die meisten stammen aus den ptolemäischen Tempeln, doch auch andere Textträger wie Statuen und Särge sind vertreten. Die letzten Sommerschulen fanden in Freudenstadt (2005, 2009) Aussois (2007) und Oostduinkerke (2011) statt.

Abb. 1: Blick durch die palmengesäumten Straßen von Montpellier (Foto: Victoria Altmann-Wendling).

Nach der Anreise am Sonntag, die für viele Teilnehmer eine lange Zugfahrt durch ganz Frankreich bedeutete, traf man sich abends zum ersten Mal zum Essen, das durchgehend ganz ausgezeichnet war und dem guten Ruf der französischen Küche gerecht wurde!
 
Die nächsten zweieinhalb Tage boten ein dichtes Programm an Vorträgen. Die im üblichen Stil der Textbesprechung ablaufenden halbstündigen Beiträge wurden jeden Abend durch einen Langvortrag von 1,5 Stunden über ein Spezialthema abgeschlossen. Den ersten bestritt Dimitri Meeks (Montpellier), der über die "Neun-Bogen-Völker" sprach, die die Feinde Ägyptens repräsentieren. Meeks diskutierte eine Liste dieser Volksstämme im Tempel von Edfu und schlug Zuordnungen zu realen Territorien vor. Am zweiten Tag lud Christiane Zivie-Coche (Paris) zu einem "Rundgang" durch den Tempel von Deir Chelouit in Theben-West ein, dessen Publikation von ihr vorgelegt worden war, und der sie nun eine Gesamtübersetzung und -interpretation an die Seite stellen wird.
 
Auch an Themen, die sich in den Kontext "Mensch und Natur" setzen lassen, sind einige zu nennen: Emmanuel Jambon (Tübingen) sprach über das Darreichen von Blumensträußen in Ritualszenen, ein Thema, dem er sich momentan in einer umfassenden Studie widmet. Daniela Mendel-Leitz (Tübingen) stellte erneut einige Aspekte der von ihr zu publizierenden Stiersärge aus Tell Abu-Yasin im Nildelta vor, die sich heute im Kairener Museum befinden. Diese riesigen, an die Dimensionen der Stiermumien angepassten Sarkophage sind mit zahlreichen Szenen und Inschriften versehen, von denen viele astronomische Hintergründe haben, so z. B. die sog. "Stierschenkel-Uhr". Silke Cassor-Pfeiffer und Holger Kockelmann (Tübingen) präsentierten einen schwierigen Text aus Philae, der der Abwehr von Wasserbewohnern diente und wohl die Überfahrt vom Philae-Tempel zum Heiligtum Abaton sichern sollte. Zwei Statuen eines Astronomen mit Namen Horemhab hat Ralph Birk (München) im Rahmen seiner Dissertation bearbeitet. Auf einer findet sich die bemerkenswerte Darstellung des Priesters mit zwei astronomischen Instrumenten. Jan Tattko (Tübingen) sprach über die Repräsentation der Nilflut und des Fruchtlandes in einer Prozession im Tempel von Esna. Der Vortrag von Victoria Altmann-Wendling widmete sich den Darstellungen zweier Stiere auf dem Propylon des Chons-Tempels in Karnak, dem sogenannten Euergetes-Tor. Im Durchgang findet sich gleich zweimal die Abbildung zweier voneinander weglaufender Stiere. Zwischen den Hörnern tragen die Stiere der Westseite Mondscheiben, da der Mond in seiner Zunahme als "hitziger Stier (kꜣ ps)" und in seiner Abnahme als "Ochse (sꜥb)" bezeichnet wurde. Der begleitende Text der östlichen Szene gehört zu einer der ausführlichsten Quellen über den Mondzyklus.
 
Bevor die schöne Tagung am Mittag des dritten Tages endete, fand sie beim letzten gemeinsamen Abend in alten Gemäuern ihren würdigen Abschluss (Abb. 2).
 
Abb. 2: Abschluss-Dîner unter Gewölben (Foto: Stefan Baumann).
 

Dienstag, 8. September 2015

XIth International Congress of Egyptology, Florence, Italy

Ein Beitrag von Nadine Gräßler.
 
Vom 23. bis 30. August 2015 fand in Florenz der 11. Internationale Ägyptologenkongress statt, der eine der wichtigsten internationalen Veranstaltungen des Faches Ägyptologie darstellt und sowohl Wissenschaftler/innen als auch Nachwuchswissenschaftler/innen ein Forum bietet, unabhängig der jeweiligen Thematik eigene Forschungen und Projekte vorzustellen. Organisiert wurde der Kongress u. a. vom Internationalen Ägyptologen-Verband und dem florentinischen "Center for Ancient Mediterranean and Near Eastern Studies" (CAMNES). Vom Präsidenten der Italienischen Republik, Sergio Mattarella, wurde der internationale Kongress mit dem Recognition Award ausgezeichnet.
 
Abb. 1: Blick über Florenz (in der Mitte die Kuppel der Kathedrale Santa Maria del Fiore, davor der Turm des Palazzo Vecchio) (Foto: Nadine Gräßler).

Etwa 800 Ägyptologinnen und Ägyptologen kamen in dieser Woche zusammen, um sich eine Woche lang über neuste Forschungen zu informieren, Neuigkeiten auszutauschen und Kontakte zu knüpfen. 

Die Auftaktveranstaltung am Sonntagabend wurde geprägt durch zwei Leitvorträge, die zwei der dringendsten Themen der Ägyptologie betrafen: Die gegenwärtige Situation der Ägyptologie und ihre zukünftigen Perspektiven wurden vom ägyptischen Minister für Antiquitäten und kulturelles Erbe, Mamdouh el-Damaty, in den Blick genommen. Fathi Saleh, Referent des ägyptischen "Center for Documentation of Cultural and Natural Heritage" in Ägypten, beleuchtete danach die Frage nach dem Umgang mit kulturellem Erbe im digitalen Zeitalter, wobei er vor allem die Bemühungen und Programme des Zentrums hinsichtlich der (digitalen) Dokumentation und Verbreitung des prähistorischen, pharaonischen, islamischen und modernen Erbes Ägyptens vorstellte. In Anbetracht der ägyptischen Revolution und den derzeitigen Unruhen in Ägypten und anderen arabischen Ländern, die auch die Zerstörung von Kulturgütern und Raubgrabungen bedingt haben, setzte die Veranstaltung somit ein Zeichen, wie ernst die Lage und Dokumentation von Kulturerbe genommen wird, aber auch, wie eng die internationale Vernetzung und Zusammenarbeit zwischen ägyptischen und internationalen Ägyptologinnen und Ägyptologen ist.

Am nächsten Tag begannen dann die eigentlichen Vorträge, bei denen jeweils sechs parallel zueinander liefen. Eine Entscheidung, welchen Vortrag man besuchen sollte, fiel bei diesem großen Angebot ausnehmend schwer. Etwas erleichtert wurde die Auswahl dadurch, dass die Vorträge in unterschiedliche thematische Sektionen eingeteilt waren, die schon einmal darauf hindeuteten, in welche Kategorie das Thema eines Vortrags fiel. Die Oberkategorien umfassten die Themen: Archäologie (aktuelle Methoden und Feldarbeit); Kunst und Architektur; Kulturelles Erbe (Konservation, Bewahrung, Management); Geschichte; Geschichte der Ägyptologie; Sprache, Literatur und Texte; Materielle Kultur (Keramik und Handwerk); Museen; Mumien; Ägypten außerhalb Ägyptens; Koptische Periode; Griechisch-römische Epoche; Konservation; Archäometrie; Papyrologie; Prähistorik; Archive; Religion; Gesellschaft und Königtum. Damit war die gesamte Bandbreite der ägyptologischen Forschung vertreten. 

Eine Besonderheit stellte die Sektion "E-gyptology" dar, die in diesem Jahr erstmals in den internationalen Kongress aufgenommen worden war. In dieser Sektion wurden digitale Projekte und die Fortschritte der Ägyptologie im Bereich der Digital Humanities präsentiert. 

Neben den Vorträgen wurden zudem zahlreiche Poster präsentiert, die in eigens dafür vorgesehenen Poster Sessions betrachtet werden konnten. Daneben fand die ganze Woche eine Projektion statt, die die architektonische Struktur des Dendera-Tempels und eine Studie des Sternbilds aus Dendera in einem Vergleich mit dem Sternbild aus dem Grab Sethos‘ I. im Tal der Könige sowie einer aktuellen Himmelskarte zeigte. Das komplette Programm des Kongresses finden Sie hier
.

Auch vier Mitglieder des Graduiertenkollegs – die Trägerinnen Prof. Dr. Tanja Pommerening und Prof. Dr. Ursula Verhoeven-van Elsbergen sowie die Doktorandinnen Victoria Altmann-Wendling und Nadine Gräßler – hatten die Möglichkeit, an dem Kongress teilzunehmen und einen Vortrag und damit ihre neuesten Forschungsergebnisse zu präsentieren: Victoria Altmann-Wendling stellte gleich zu Beginn am Montagmorgen mit der Präsentation "Min and Moon – Cosmological Concepts in the Temple of Athribis (Upper Egypt)" die lunaren Aspekte des Gottes Min und das komplexe Netz aus kosmologischen Verbindungen zwischen ihm und der Göttin Repit vor, die in Athribis als göttliche Personifikationen von Sonne und Mond auftreten. Am Dienstag folgten dann die Vorträge von Prof. Dr. Tanja Pommerening und Nadine Gräßler. Tanja Pommerening stellte unter dem Titel "Medical Re-enactments: Ancient Egyptian Prescriptions from an Emic View" Ergebnisse eines DFG-geförderten Projektes zur emischen Erklärung heilkundlicher Rezepte hinsichtlich ihres Aufbaus, ihrer Bestandteile und ihrer Herstellung vor. Nadine Gräßler widmete sich in ihrem Beitrag zu "Expressions for Parts of the Eye in Different Text Genres" ebenfalls Bereichen aus der Heilkunde, jedoch eher aus einer sprachwissenschaftlichen Perspektive, indem sie die Bezeichnungen für Bestandteile des Auges aus heilkundlichen, magischen und religiösen Texten verglich und dadurch eine Aussage zur Fachsprache in heilkundlichen Texten treffen konnte. Am Donnerstag stellte Prof. Dr. Ursula Verhoeven-van Elsbergen (zusammen mit Svenja Gülden vom Arbeitsbereich Ägyptologie der JGU Mainz) in der Sektion E-gyptology Inhalt, Ziele und Aufbau des neu bewilligten Projektes "Altägyptische Kursivschriften" der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz vor. 

Neben dem fachlichen Aspekt der Tagung wurde von den Organisatoren auch ein tolles Rahmenprogramm geboten. Ein Highlight war unter anderem der exklusive Besuch des Museo Archeologico, das eine umfangreiche Sammlung ägyptischer Altertümer beherbergt. Da aus Sicherheitsgründen immer nur eine bestimmte Personenanzahl die Sammlung besichtigen konnte, wurde den anderen Besuchern die Wartezeit mit einer Präsentation des forensischen Anthropologen Prof. Matteo Borrini von der John Moores University in Liverpool verkürzt, der zu dem Titel "Reconstruction of the Face of the Kent Mummy, Preserved in the Egyptian Museum of Florence" das Ergebnis der Gesichtsrekonstruktion einer Mumie aus der ägyptischen Sammlung Florenz vorstellte (Abb. 2).
 
Abb. 2: Prof. Matteo Borrini bei der Vorstellung der Technik zur Rekonstruktion eines Gesichts (Foto: Nadine Gräßler).
Auch die Abschlussveranstaltung am Samstagabend war ein exklusives Event. Dieses fand im berühmten Salone dei Cinquecento ("Saal der Fünfhundert") des Palazzo Vecchio statt, der eigens dafür für andere Besucher geschlossen wurde. Der krönende – und sicherlich noch lange in Erinnerung bleibende – Abschluss war hier ein Konzert der Nesma Abdel Aziz Group des Cairo Opera House, die die Zuhörer mit einer Mischung aus traditionell ägyptischen und westlichen Klängen begeisterte (Abb. 3).
 
Abb. 3: Die Nesma Abdel Aziz Group des Cairo Opera House bei ihrem Konzert zum Abschluss des 11. Internationalen Ägyptologenkongresses (Foto: Alexa Rickert).

Wir bedanken uns an dieser Stelle beim GRK 1876 für die Förderung der Teilnahme an diesem Kongress. Die Beteiligung an einem so großen Event mit internationalem Publikum war für uns eine spannende und wichtige Erfahrung.
 
Abb. 4: Die Kollegiatinnen Victoria Altmann-Wendling und Nadine Gräßler bei einem abendlichen Rundgang vor dem Ponte Vecchio (Foto: Victoria Altmann-Wendling).