Freitag, 27. März 2015

16. Symposium des Mediävistenverbandes "Gebrauch und Symbolik des Wassers in der mittelalterlichen Kultur" ‒ Bern, 22.-25. März 2015

Ein Beitrag von Stephanie Mühlenfeld.

Vom 22. bis 25. März 2015 fand in Bern das 16. Symposium des Mediävistenverbandes statt, an dem über 100 Vortragende aus unterschiedlichen Disziplinen der Mittelalterforschung teilnahmen. Die Symposien des Mediävistenverbandes werden alle zwei Jahre an unterschiedlichen Orten veranstaltet, wobei ein gemeinsames Oberthema in all seinen Facetten und aus den verschiedensten Perspektiven heraus beleuchtet wird. Das diesjährige Treffen stand ganz im Zeichen des Wassers; einer Thematik, die ein sehr breites Spektrum an Fragestellungen und Aspekten ermöglichte.

Anna-Seiler-Brunnen in der Berner Marktgasse (Bild: Michael Scholz).

Aufgrund jener Vielfalt und Fülle an Betrachtungsmöglichkeiten, waren bei dem Symposium insgesamt 34 Sektionen zu vier differenten Themenfeldern vertreten, die oftmals auch Berührungspunkte und gemeinsame Schnittmengen aufwiesen. Innerhalb der ersten beiden größeren Blöcke wurden die Aspekte "Umwelt, Klima und Ökologie" sowie "Verkehrsmittel, Grenze und Machtgrundlage" thematisiert. Zwei weitere Schwerpunkte bildeten die Gebiete "Naturkunde und Naturphilosophie" sowie "Symbolbildungen in Religion, Literatur und Kunst".
 
Der perfekte Tagungsort für die "Wasser"-Thematik: Das Stadtbild Berns wird von unzähligen Brunnen und dem Flusslauf der Aare bestimmt (Foto: Sabine Obermaier).
 

Die Ankunft in der "Stadt der Bären"


Nach der Ankunft der Teilnehmer fand am 22. März ein gemeinsames Abendessen im "Alten Tramdepot" statt, das direkt neben einer der faszinierendsten Attraktionen Berns gelegen ist: dem Berner Bärenpark, der zur Zeit einer dreiköpfigen Braunbär-Familie ein Zuhause bietet (Abb. 4). Da die Bären gerade aus dem Winterschlaf erwacht waren, fand ein Zusammentreffen zwischen Mediävisten und Bären statt, das zumindest auf Seiten der Wissenschaftler zu größter Begeisterung und Verzückung führte. Schließlich war der Bär bereits im Mittelalter das Wappentier der Stadt Bern und seit 1513 ist auch die Bärenhaltung fester Bestandteil der Stadtgeschichte.
 

Vom "Wasser in der mittelalterlichen Medizin" bis zum "Zusammenleben der Piraten auf dem Mittelmeer"


Den Auftakt des wissenschaftlichen Programms bildete am darauffolgenden Tag der Plenarvortrag ORTRUN RIHAS (Leipzig, Medizingeschichte) zu dem Thema "Wasser in der mittelalterlichen Medizin und Naturkunde", innerhalb dessen zunächst auf die Rolle des Wassers im mittelalterlichen Kosmos eingegangen wurde. Dabei verdeutlichte die Medizinhistorikerin, dass Wasser im Kontext der Humoralpathologie auf Entitäten wie beispielsweise den Norden, die Nacht, den Mond, die Venus, das Kindesalter oder das Weibliche verweist und mit diesen 'Dingen in der Welt' einen Konnex bildet. Darüber hinaus galt Wasser in der Säftelehre als 'dem Schleim zugeordnet'. Diese Annahme kann als die Grundlage der Medizin Hildegards von Bingen angesehen werden und führte zu der Herausbildung einer Diätetik, die darauf abzielte, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen warm und kalt sowie trocken und feucht zu schaffen. Jenen 'Ausgleich' erachtete man im Mittelalter als Prämisse für die menschliche Gesundheit. Neben dem Anwendungsbereich der Diätetik bestand auch stets der der äußeren Anwendung, welcher Aspekte wie "kultische Reinheit", "rituelle Waschungen" und "Taufe" ebenso mit einschließt wie das ‒ eher dem Profanbereich zugehörige ‒ Thema der "mittelalterliche[n] Badestube als Teil der Stadtkultur".
 
Auf den Vortrag Rihas folgten am 23. März verschiedenste Beiträge innerhalb der Sektionen, sowie der Plenarvortrag NIKOLAS JASPERTS (Heidelberg, Geschichte) zu dem Thema "Liquide Welten ‒ Zum Mittelalter aus maritimer Sicht", welcher in der prachtvollen Aula der Berner Universität stattfand. Jaspert erläuterte, der Fokus der geschichtswissenschaftlichen Mittelmeerforschung habe seit dem 19. Jh. insbesondere auf dem westlichen Mittelmeerraum gelegen und den östlicheren Gebieten sowie der Levante-Küste sei nur wenig Aufmerksamkeit zuteil geworden. Ebenso sei das geschichtswissenschaftliche Bild vom Mittelalter in der Vergangenheit überwiegend "terrestrisch geprägt" gewesen. Eine "maritime Perspektivverschiebung" – innerhalb der die Welt nicht mehr nur vom Land, sondern auch vom Meer aus betrachtet würde – könne jedoch für die Mediävistik sehr interessant sein und neue Erkenntnisse zutage fördern. Daher sei es notwendig, ein neues Raumverständnis anzulegen, das kein ausschließlich physisches mehr sei, sondern sich auf verschiedenste Aspekte der Kultur erstrecke. Eine solche Öffnung der Geschichtswissenschaft hin zur Kulturwissenschaft ‒ im Rahmen eines "Maritime Turn" ‒ habe insbesondere die sieben Bereiche "Herrschaft, Wirtschaft, Gesellschaft, Maritime Wissensgeschichte, Religion, Umweltgeschichte und fernräumliche Kommunikation" zu berücksichtigen.

Dabei sei beispielsweise zu hinterfragen, wie mit Schiffen Macht ausgeübt wurde und ob es im Mittelalter eine spezifisch maritime Diplomatie gab. Aber auch über das Meer als einem Ort des Fernhandels sowie über maritimen Transfer und Netzwerke sei nachzudenken, wobei vor allem Häfen als "Knotenpunkte maritimer Beziehungsgeflechte" stärker in den Fokus der Betrachtung gerückt werden müssten.

Darüber hinaus dürfe aber auch die kognitive Komponente nicht vernachlässigt werden. Bei der Beantwortung der Frage nach der Vorstellung vom Meer seien drei "Stufen maritimen Lebens" zu berücksichtigen: das Leben am Meer, jenseits des Meeres und auf dem Meer.

Auf sozialgeschichtlicher Ebene schließlich könne man sich mit der sozialen Herkunft von Piraten auseinandersetzen und untersuchen, ob Piraten tatsächlich in einer hierarchisch gegliederten Mannschaft – mit einem mehr oder weniger Diktator-ähnlichen Kapitän – zusammenlebten oder ob es unter ihnen demokratische Strukturen gab.  
 
Von der prachtvollen Aula der Berner Universität aus bietet sich ein wunderbar alpines Panorama (Foto: Sabine Obermaier).
 

Wassertiere – Mittelalterliche Denkfiguren zur Erfassung einer unbekannten Welt


Im Rahmen von zwei Wassertier-Sektionen wurde auch das Graduiertenkolleg "1876 Frühe Konzepte von Mensch und Natur" durch SABINE OBERMAIER (Sektionsleitung) und STEPHANIE MÜHLENFELD vertreten. Der Gedanke, der unseren beiden Sektionen zu Grunde lag war, dass die Wasserfauna – mit Ausnahme der Speisefische und jagdbarem Geflügel – für die Menschen im Mittelalter eine fremde Welt darstellte. Unsere Sektionen zielten daher darauf ab, diejenigen Denkfiguren herauszuarbeiten, mit denen mittelalterliche Gelehrte und Literaten die für sie unbekannte Welt zu erfassen versuchten.

Den Wassertier-Einstiegsvortrag zu dem Thema "Entre Cosmographie, Zoologie et Merveilleux. L'idée d'un monde marin symétrique du monde terrestre au Moyen Âge" hielt JACQUELINE LECLERQ-MARX (Brüssel, Kunstgeschichte). Anhand verschiedener bildhafter Darstellungen verdeutlichte die Kunsthistorikerin sehr anschaulich, dass im Mittelalter die Vorstellung verbreitet war, jedes auf der Erde lebende Wesen habe ein im Meer beheimatetes Pendant. Ein besonders lustiges Beispiel hierfür ist etwa der sogenannte 'Meermönch'; ein Lebewesen, von dem man annahm, seine obere Körperhälfte gleiche der eines Mönches und die untere der eines Fisches.

HÉLÈNE CAMBIER (Namur, Kunstgeschichte) stellte daraufhin in ihrem Vortrag "La baleine au Moyen âge, un grand poisson qui pose question" verschiedene mittelalterliche Vorstellungen vom Walfisch vor. Dabei wurde deutlich, dass das Bild des Tieres von einer mythischen Aura bestimmt war. Die Vorstellung vom Wal – als einem Fisch des Teufels – hatte dabei allerdings so gut wie nichts mit dem real existierenden Tier gemein.

Das zweite Wassertier der Sektion, der Wasserdrache, wurde von THOMAS HONNEGER (Jena, Anglistik) präsentiert. Es zeigte sich, dass sich aus den mittelalterlichen Text- und Bildzeugnissen kein konsistentes Bild des draco marinus ergibt, denn manchmal ähnelt dieser mehr einer Schlange, in anderen Darstellungen wiederum besitzt er Flügel oder ist von dem an Land lebenden Drachen nicht zu unterscheiden.

In dem darauffolgenden Vortrag "Die 'jungfräuliche' Barnikelgans – Klerikal geprägte Denkmuster und ihr Einfluss auf die Wahrnehmung fremder Wasservögel" ging STEPHANIE MÜHLENFELD auf die mittelalterliche Vorstellung ein, Barnikelgänse wüchsen an Bäumen in Wassernähe. Zunächst wurde hinterfragt, wie es überhaupt erst zu dieser Entstehungstheorie kommen konnte. In einem weiteren Schritt wurden daraufhin vier verschiedene mittelalterliche Überlegungen zur Exegese des Tieres vorgestellt.

Auf die Barnikelgans folgte als viertes Wassertier das Krokodil, auf das RICHARD TRACHSLER (Zürich, Romanistik) in seinem Vortrag "Le Crocodile, cet inconnu" einging. Trachsler erläuterte, da das Krokodil – wie auch zahlreiche andere Wassertiere – im Mittelalter weitgehend unbekannt gewesen sei, habe es eine 'Projektionsfläche' geboten, auf die man die verschiedensten Charakteristika und auch Eigenschaften anderer Tiere projizierte. Genau wie für den Wasserdrachen gibt es auch für das Krokodil keine einheitliche Darstellungstradition. So zeigen etwa die mittelalterlichen Bestiarien das Tier zuweilen mit Schnabel und Flügeln – dann aber auch wieder echsenähnlich und mit Stacheln.

In ihrem Vortrag "Zu Symbolik und Funktion von Wassertieren: Synthese und Abschlussdiskussion" führte SABINE OBERMAIER die in den einzelnen Vorträgen aufgezeigten Linien zur "Wahrnehmung der Wassertiere" zusammen und ergänzte die gewonnenen Erkenntnisse um weitere Fallbeispiele aus der deutschsprachigen Literatur des Mittelalters. So wurde unter anderem anhand des "Gregorius" Hartmanns von Aue, des "Alexander" Johannes Hartliebs und des "Apollonius von Tyrland" Heinrichs von Neustadt noch einmal präzisiert, inwiefern Wassertiere im Mittelalter als 'Spiegelbild', multifunktionale Projektionsfläche und Einfallstor für Fantastik angesehen werden können.

Neben den spannenden Vorträgen war es stets möglich, sich während der Pausen auch an den zahlreichen Verlagsständen über neuerschienene Fachliteratur zu informieren, interessante Gespräche zu führen und in angenehmer, freundlicher Atmosphäre neue Kontakte zu knüpfen.
 
Bär im Berner Bärenpark (Foto: Sabine Obermaier).
Abschließend möchte ich mich ganz herzlich für die Finanzierung meines Bern-Aufenthaltes durch das DFG-Graduiertenkolleg 1876 "Frühe Konzepte von Mensch und Natur" bedanken und als Fazit festhalten: Das Symposium des Mediävistenverbandes und meine Zeit in Bern waren eine große Bereicherung und einfach bärenstark!

Donnerstag, 5. März 2015

Exkursion zur Ausstellung "Mensch. Natur. Katastrophe. Von Atlantis bis heute" (Reiss-Engelhorn-Museen, Mannheim)

Ein Beitrag von Katharina Hillenbrand.
 
Ein ereignisreiches Semester neigt sich seinem Ende entgegen. Kaum ein anderes in der nunmehr anderthalbjährigen Laufbahn des Graduiertenkollegs 1876 konnte mit so viel Neuem aufwarten – sieben neue Doktoranden, die erste eigene Ringvorlesung und zwei vom GRK ausgerichtete Workshops. Höchste Zeit also, sich hierfür zu belohnen und das Wintersemester 2014/2015 gemeinsam zu beschließen.

Was könnte da geeigneter sein als ein gemeinsamer Ausflug? Am 26. Februar machten sich die Beteiligten des GRKs auf den Weg nach Mannheim, um in den dortigen Reiss-Engelhorn-Museen die Ausstellung "Mensch. Natur. Katastrophe. Von Atlantis bis heute" zu besuchen. Diese wurde in Zusammenarbeit mit dem Projekt "
Images of Disasters" des Exzellenzclusters "Asien und Europa im globalen Kontext" der Universität Heidelberg unter Mitwirkung der TU Darmstadt ausgerichtet und stand unter der besonderen Obhut von Gerrit Jasper Schenk, Monica Juneja, Alfried Wieczorek und Christopher Lind. Das Konzept der Ausstellung präsentiert sich damit ganz im Lichte historischer und moderner Katastrophenforschung, die auch unser Forschungsschwerpunkt "Konzepte von Naturphänomenen, Naturgewalten und Naturkatastrophen" bedient. Spannend also, wie sich andere Forschungseinrichtungen dieser Thematik nähern.
 

Katastrophenforschung 


Im Mittelpunkt der Ausstellung stand die in der Katastrophenforschung zentrale "anthropologische Komponente" (Fn. 1). Demnach geht man davon aus, dass Naturereignisse, welche per se zunächst natürliche Erscheinungen sind, durch ihr Einwirken auf menschliche Lebenswelten zu Katastrophen werden und entsprechende Reaktionen abverlangen (Fn. 2). Die Bewertung eines Naturphänomens als Katastrophe unterliegt folglich ganz der menschlichen "Wahrnehmung und Deutung des Ereignisses" (Fn. 3) und bestimmt ebenso den Umgang mit ihm (Fn. 4).
 

Rundgang durch die Ausstellung


In einer einstündigen Führung durch die Ausstellungsräumlichkeiten wurden diese Aspekte in ihren verschiedensten Facetten in den Mittelpunkt gestellt. Pointiert fanden sie sich in diversen Zitaten, allen voran dem wohl treffendsten von Max Frisch: "Katastrophen kennt allein der Mensch, sofern er sie überlebt; die Natur kennt keine Katastrophen" (Max Frisch, Der Mensch erscheint im Holozän, 1979).

Es folgte ein nach den vier Elementen Feuer, Erde, Wasser und Luft geordneter Rundgang durch verschiedenste Exponate zu historischen Katastrophen wie Vulkanausbrüchen, Erdbeben, Bergrutschen, Tsunamis, Überschwemmungen und Stürmen, darunter neben der umworbenen Atlantissage etwa der Vesuvausbruch des Jahres 79 und der des Tambora im Jahre 1815, der Bergsturz von Plurs 1618, das Erdbeben von Lissabon 1755, das Erdbeben von San Francisco 1905, Überschwemmungen wie etwa des Arno in Florenz 1966 oder der fatale Tsunami in Japan aus dem Jahr 2011, dem letztlich eine Reaktorkatastrophe folgte. Im letzten Raum wurde damit der Bogen zur eingangs aufgeworfenen Frage nach dem menschlichen Anteil gespannt: Spürbar sei der Einfluss menschlichen Verhaltens auf das Klima und damit auch auf Naturkatastrophen. Der Mensch steht damit in seiner Verantwortung, auch wenn die Natur sich letztlich nie ganz kontrollieren lässt. Mit dieser halb Hoffnung machenden, halb betrübenden Botschaft verließen wir das Museum und kehrten im fabelhaft guten Restaurant Istanbul ein, dessen Spezialitäten alle Sorgen schnell vergessen machten.

Fußnoten:
[1] 
Waldherr, G., "Altertumswissenschaften und moderne Katastrophenforschung", in: Olshausen, E. / Sonnabend, H. (Hgg.), Stuttgarter Kolloquium zur historischen Geographie des Altertums 6, 1996 „Naturkatastrophen in der antiken Welt“, Stuttgart 1998, 51-64, hier 56.
[2]
Vgl. Waldherr, 56-57.
[3]
Schenk, G. J., Juneja, M., Lind, Chr., "Mensch. Natur. Katastrophe. Von Atlantis bis heute", in: Schenk, G. J. [u.a.] (Hgg.), Mensch. Natur. Katastrophe. Von Atlantis bis heute. Begleitband zur Sonderausstellung, Regensburg 2014, 15-23, hier: 16.
[4]
Vgl. Schenk, Juneja, Lind, 16.

Dienstag, 3. März 2015

"Cross Cultural Exchange in the Byzantine World, c. 300-1500 A.D." - Oxford University Byzantine Society’s XVII. International Graduate Conference

Ein Beitrag von Tristan Schmidt.
 
Am 27. und 28. Februar 2015 fand an der Universität Oxford eine Graduiertenkonferenz statt, die von der "Oxford University Byzantine Society" ausgerichtet wurde. Dabei handelt es sich um eine von Promotionsstudenten betriebene Organisation zur Förderung von Graduierten, die zu byzantinistischen Themen forschen. Ein Ziel dieser Organisation und insbesondere der Konferenz ist es, Nachwuchswissenschaftler zu vernetzen und ihnen die Gelegenheit zu geben, ihre Arbeiten zu präsentieren. Derartige Zusammenkünfte finden regelmäßig in jährlichem Abstand statt.

Das übergreifende Thema lautete dieses Mal "Cross Cultural Exchange in the Byzantine World, c. 300-1500 A.D.". Im Fokus der Aufmerksamkeit standen demgemäß kulturelle Beziehungen und Beeinflussungen innerhalb der byzantinischen Welt sowie zwischen Byzanz und anderen Kulturen. Neben synchronen Kulturtransfers wurde darüber hinaus auch die Wissenstradierung über die Zeit hinweg betrachtet, etwa die Behandlung antiken Wissens im mittelalterlichen Byzanz. Wie Prof. Marc Lauxtermann in seinem Schlusswort bemerkte, sei die Konferenz an sich bereits ein Stück Kulturaustausch gewesen, wenn man bedenke, dass durch die Vortragenden und Teilnehmer insgesamt dreizehn Nationen in Oxford vertreten gewesen seien. Die Vortragenden bewegten sich fachlich unter anderem im Bereich der Geschichtswissenschaften, Archäologie, Philologie, Literaturwissenschaft und Kunstgeschichte.
 
Abb. 1: Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Graduiertenkonferenz (Foto: Kirsty Stewart).

Der Konferenz ging am 26. Februar ein informelles Treffen der Teilnehmer voraus. Die Vorträge fanden an den folgenden beiden Tagen in der historischen Fakultät statt. Aufgrund der Vielzahl der Teilnehmer wurden jeweils zwei parallele Sektionen eingerichtet.

Der Freitag begann mit einem Abschnitt zur Baukultur in Byzanz, die sich Fragen der kulturellen Beeinflussung von Architektur und Innendekoration widmete. Dabei gingen die Referenten sowohl den Traditionen nach, die die byzantinische Baukultur beeinflussten, als auch den Wirkungen byzantinischer Stilistik auf andere Bauten, wie etwa die osmanischen des vierzehnten Jahrhunderts.

Fragen der Identität innerhalb und außerhalb des Reiches, die durch religiöse Fragen ebenso bestimmt waren, wie durch lokale Abhängigkeiten und wirtschaftliche Zusammenhänge, kamen ebenfalls zur Sprache. Dieses Bild wurde durch Untersuchungen zur Sicht der byzantinischen Quellen auf benachbarte Kulturen in Orient und Okzident erweitert. Umgekehrt interessierte auch die Perspektive lateinischer und armenischer Quellen auf Ostrom und seine Repräsentanten. Ein besonders interessantes Beispiel ist etwa der byzantinische General Tatikios, der sogar in die westliche ritterliche Heldendichtung des Mittelalters Eingang fand.

Die Vorträge verdeutlichten, dass Kulturkontakte sowohl in friedlicher als auch in kriegerischer Form stattfinden konnten. So fand in Zeiten direkter Konfrontation zwischen dem Oströmischen Reich und den expandierenden Arabern gleichzeitig der Transfer wissenschaftlicher wie literarischer Texte zwischen diesen beiden Kulturen statt. Diplomatische Unternehmungen, etwa zwischen dem Papsttum und dem Kaiserreich von Nicaea im dreizehnten Jahrhundert, oder auch Handelsabkommen der italienischen Seerepubliken mit Ostrom und später dem Osmanischen Reich, lassen sich ebenfalls unter dem Aspekt der Begegnung verschiedener Kulturen einordnen.

Das Fortleben antiker Motive und Inhalte, wie etwa die Darstellung Alexanders des Großen, die sich noch im mittelalterlichen Byzanz in der Kaiserrepräsentation findet, sowie die Alexanderliteratur insgesamt, die auch im Westen rezipiert und teilweise umgeformt wurde, zeigen die kontinuierliche Tradierung und Weiterverarbeitung älterer Vorstellungen und Bildwelten im Mittelalter.

Insgesamt bot die Konferenz ein sehr breites Spektrum an Themen aus dem Bereich der Forschung rund um den byzantinischen Kulturraum und darüber hinaus. Neben den eigentlichen Vorträgen bot die gemeinsam verbrachte Zeit zwischen und nach den Sektionen, zu denen auch ein gemeinsames Abendessen im ehrwürdigen Keble College gehörte, zahlreiche Gelegenheiten, sich mit Kollegen und anderen Promovenden auszutauschen und die Kontakte mit der Fachwelt zu festigen.
 
 
Das Programm der Veranstaltung finden Sie hier.