Donnerstag, 19. Dezember 2013

Dissertationsprojekt von Simone Gerhards: "Phänomene und Konzepte von Müdigkeit, Schlaf und Erwachen im alten Ägypten"

Ein Beitrag von Sonja Gerke.


Medizinische Forschung: auch heute sind noch Fragen offen


Die drei Bereiche Müdigkeit, Schlaf und Erwachen sind untrennbar miteinander verbunden und bilden einen körperlichen Kreislauf, der sich täglich wiederholt. Alles beginnt mit der Müdigkeit, die uns anzeigt, dass wir Ruhe und Erholung benötigen. Es wird medizinisch zwischen verschiedenen Formen der Müdigkeit unterschieden: körperliche und geistige Müdigkeit sowie Schläfrigkeit. Letztere bezeichnet eine Folge der Müdigkeit, die durch Schlafmangel oder -probleme entstehen kann. Die Frage, welche Prozesse in unserem Körper ablaufen, wenn wir ermüden, kann noch nicht abschließend beantwortet werden. Nach heutigen Erkenntnissen erfolgt bei ihrem Entstehen eine Kombination aus der Ausschüttung des Hormons Melatonin und der Existenz von sogenannten "Zeitgebern" wie der Dunkelheit. Diese Zeitgeber werden zum circadianen Rhythmus gezählt, der einem Organismus dabei helfen soll, sich auf täglich wiederholende Phänomene einzustellen.
Auf die Frage nach den Funktionen des Schlafes kann aus medizinischer Sicht ebenfalls keine zufriedenstellende Antwort gegeben werden. Sicher ist, dass sich unser Körper während des Schlafens "regeneriert", wertvolle Energie einspart und wichtige Hormone bildet. Das Aufwachen erfolgt wie die Müdigkeit auch durch eine Interaktion aus der Ausschüttung des Hormons Cortisol und dem Zeitgeber Tageslicht.

Konzepte der altägyptischen Medizin und Magie rekonstruieren


Welche Vorstellungen besaßen die alten Ägypter in Bezug auf Schlaf, Müdigkeit und Erwachen? Haben sie bereits sprachlich zwischen körperlicher und geistiger Müdigkeit unterschieden? Anhand medizinischer Textquellen möchte 
Simone Gerhards untersuchen, wie beispielsweise Bewusstlosigkeit, Koma- oder Ohnmachtszustände bewertet wurden. Schlaf kann sowohl als Symptom als auch als Heilmethode gesehen werden. Auch die Praxis des Tempelschlafs wird bei den Untersuchungen eine Rolle spielen.

Schlafkultur: kultursoziologische Aspekte untersuchen


In Bezug auf eine Kultur, egal ob antik oder noch bestehend, sind Untersuchungen zur "Schlafkultur" der Menschen besonders interessant. Diese umfassen das Wo, Wie, Wann und Wie lange Personen schlafen/geschlafen haben und beschäftigen sich mit den geschichtlichen und kulturellen Aspekten des Schlafes. Da der Schlaf einen intimen Zustand darstellt, sind Forschungen auf diesem Gebiet recht selten, da die Schlafenden von den Wissenschaftlern im Idealfall beobachtet werden sollten.
In diesem Bereich haben sich besonders die beiden Anthropologinnen Carol Worthmann und Melissa Melby hervorgetan [Fn. 1]. Sie untersuchten acht verschiedene Völker und erstellten daraufhin eine Klassifikation des Schlafverhaltens. Sie unterscheiden zwischen mikroökologischen und makroökologischen Bedingungen.

Zum Bereich der Mikroökologie werden die biotischen Umweltfaktoren gezählt, die das Schlafverhalten direkt beeinflussen – d. h. diejenigen Umweltbedingungen, die unmittelbar und räumlich am Schlafprozess beteiligt sind. Dazu zählen unter anderem die Schlafstätte/Schlafraum, Schlafposition (eventuelle Berührungen anderer), Feuerstelle und die Schlafhygiene. Flora und Fauna beeinflussen auf dieser Ebene ebenfalls das Schlafverhalten. Dies bezieht sich sowohl auf die Anwesenheit von domestizierten als auch wilden Tieren sowie Parasiten.

Makroökologisch wird das Arbeits- und Freizeitverhalten der Menschen, das von Kultur zu Kultur unterschiedlich ist, beschrieben. Hierunter fallen Tätigkeiten, die durch den Sonnenaufgang und -untergang mitbestimmt werden – die sogenannten "Tag- und Nachträume". In den jeweiligen Tag- und Nachträumen können die unterschiedlichsten Aktionen wie Reisen, bestimmte kultische Rituale oder Arbeitsanforderungen stattfinden. Der Schlaf der Menschen kann entweder auf nur eine Zeit beschränkt sein, z. B. immer von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang, oder in beiden Räumen liegen wie bei Menschen in südlichen Kulturen, die zum nächtlichen Schlaf zusätzlich eine Siesta halten.

Schlafkultur: wie auf die alten Ägypter übertragen?


Bei Kulturen – wie die der alten Ägypter – die in ihrer einstigen Form heute nicht mehr bestehen, gestaltet sich eine solche Untersuchung als schwierig. Um dennoch Rückschlüsse auf das Schlafverhalten der alten Ägypter ziehen zu können, werden von Simone Gerhards vorrangig altägyptische Textquellen untersucht, die entweder einen Begriff aus dem Wortfeld "Schlaf, Müdigkeit und Erwachen" enthalten oder Beschreibungen der "Tag- und Nachträume" der alten Ägypter umfassen. Diese indirekten Textzeugen können z. B. Reiseberichte, juristische Quellen oder Militärbewegungen sein. Rundplastische oder flachbildliche Darstellungen bieten eine weitere Informationsquelle, die auf die Frage, wie die alten Ägypter schliefen, Antworten geben. Mit diesen muss kritisch umgegangen werden, da es schwer ist, zwischen realistischer und idealisierter Vorstellung zu unterscheiden. Die Grundrisse von Häusern und sogar Schlafräumen liefern weitere Erkenntnisse über die Art und Weise und mit wie vielen Personen in einem Raum geschlafen wurde. Das Einbeziehen von Betten, Schlafmatten und Kopfstützen kann zudem helfen, die kultursoziologischen Konzepte des Schlafens zu vervollständigen.

Fußnote:
[1] Worthman, Carol, M., Melby, Melissa K., "Toward a Comparative Developmental Ecology of Human Sleep", in: Carskadon, M. A. (Hg.), Adolescent Sleep Paterns: Biological, Social, and Psychological Influences, New York 2001, 69–117.

Donnerstag, 5. Dezember 2013

Dissertationsprojekt "Das Auge im alten Ägypten"

Projekt und Beitrag von Nadine Gräßler.

Das Auge und der damit verbundene Sehsinn werden in unserer gegenwärtigen kulturellen Umgebung wohl als wichtigstes Sinnesorgan empfunden, obwohl das Zusammenspiel aller Sinnesorgane für den Menschen lebens- bzw. überlebensnotwendig ist. Nicht zuletzt ist die Wichtigkeit des Auges heutzutage eine Entwicklung seit der frühen Neuzeit, die den Menschen zum 'Augenwesen' identifiziert (Fn. 1): Bilder, Bildlichkeit, Ästhetik (heutzutage besonders präsent durch Social Media und Internet) bestimmen unseren Alltag. Die Bedeutsamkeit des Auges wird zudem durch die Tatsache verdeutlicht, dass der Mensch ca. 80 Prozent der auf ihn einwirkenden Sinneseindrücke durch sein Auge aufnimmt. Allein 70 Prozent der Sinneszellen des Menschen werden durch Zäpfchen und Stäbchen auf der Netzhaut des Auges gebildet. Der mit dem Auge verbundene Sehsinn bietet dem Menschen somit einen direkten Zugang zu seiner Umwelt und ermöglicht ihm, Mitmenschen, Flora, Fauna und Landschaft sowie Objekte in seiner Umgebung erfassen und begreifen zu können. Zudem ist das Auge Affektträger. Es lässt durch seine Beweglichkeit und Mimik Rückschlüsse auf Gefühle und Gemütserregungen zu, wodurch es ein wichtiges Element unserer zwischenmenschlichen Kommunikation bildet. Nicht zuletzt drückt der vom Altertum bis heute weit verbreitete Glaube vom 'bösen Blick' die Faszination aus, die das Auge seit jeher auf die Menschheit ausübt. Doch wie wurde das Auge im alten Ägypten bewertet? Welche Bedeutsamkeit wurde ihm zugewiesen? Welche Funktionen mit ihm verbunden?

Das ägyptische Wort für Auge lautet jr.t (Abb. 1) und kommt seit der 3. Dynastie (ca. 2.600 v. Chr.) im ägyptischen Schriftkorpus vor. In der Schrift und in der Bildkunst wird das Auge frontal dargestellt, wobei der Iris-Pupillenbereich in der Regel schematisch durch einen schwarzen Kreis in der Mitte des Auges angedeutet wird. Das Schriftzeichen kann zudem in zahlreichen Varianten auftreten, z.B. mit einem Schminkstrich am unteren Lidrand (Abb. 2), als weinendes Auge (Abb. 3), etc. Darüber hinaus sind je nach Textart und Epoche verschiedene Worte für bestimmte Bestandteile des Auges bekannt.

Abb. 3: Hieroglyphe, die tränendes
Auge wiedergibt
(Gardiner Sign list D9)
Abb. 1: hieroglyphische Wiedergabe
des Wortes jr.t ("Auge") 
Abb. 2: Hieroglyphe, die das Auge
mit Schminkstrich am unteren Lidrand wiedergibt
(Gardiner Sign list D5)


Das Auge wurde in der bisherigen Forschung v.a. aus medizinhistorischer Sicht (Fn. 2) im Rahmen der altägyptischen Augenheilkunde betrachtet. Dies liegt daran, dass dem Auge in heilkundlichen Texten ein präsenter Platz eingeräumt wurde: Allein der Papyrus Ebers liefert 96 Rezepte zur Augenheilkunde. Die heilkundlichen Texte werden in erster Linie unter der Fragestellung nach dem Aufbau und der Funktion des Auges untersucht. Dabei konnte schon durch medizinhistorische Arbeiten u.a. festgestellt werden, dass die Vorstellung bestand, dass sich Blut und Krankheiten der Augen durch vier Gefäße in der Schläfe manifestieren konnten und dass der Iris-Pupillenbereich (DfD, vgl. Fn. 3) als eine Art Loch bzw. Öffnung angesehen wurde, welche die Tränen (hier wörtl.: mw "Wasser") ausleitete (Eb 854 c (99,6–10)). Für den Iris-Pupillenbereich ist außerdem bekannt, dass er die Fähigkeit des Zusammenziehens besaß (sAq; Eb 345 (57,2–4)). Darüber hinaus wird aus den Quellen deutlich, dass eine Verbindung zwischen Auge und Ohr angenommen wurde. So wurden die Ohren durch mtw-Gefäße zur Wurzel des Auges taub (Eb 854e (99,14–15)); Blindheit konnte geheilt werden, indem ein Augenheilmittel in das Ohr eingegossen wurde (Eb 356 a (57,17–21)).

Neben dem bereits bekannten Material ist in Bezug auf Aufbau und Funktion des Auges v.a. folgende Fragestellung relevant: Inwieweit kann Wissen aus heilkundlichen Quellen durch Material aus weiteren Kontexten (z.B. religiösen Texten) ergänzt werden? Hierbei lässt sich etwa beobachten, dass in anderen Literaturbereichen und Zeitstufen durchaus andere Augenbestandteile benannt wurden, die in heilkundlichem Kontext keine Rolle spielen.

In ihrem Dissertationsprojekt verfolgt Nadine Gräßler, über die Frage nach Aufbau und Funktion des Auges hinaus, das Ziel, die Einbindung des Auges und seiner Bestandteile in bildliche Ausdrücke (Metaphorik) und religiös-mythologische Vorstellungen herauszuarbeiten. Religion und Mythologie sind dabei häufig von den in der Ägyptologie sogenannten 'Augensagen' durchdrungen. In diesen Sagen geht es einerseits um das Auge des Gottes Horus, andererseits um das Auge des Sonnengottes, wobei das Auge der jeweiligen Gottheit verletzt und anschließend wieder geheilt wird. Das Verletzen und (Wieder-)Heilen der Augen ist als Symbol des Sieges der Maat ('Weltordnung') über das Chaos zu deuten. Beide wieder hergestellten Augen können daher als Udjatauge ('heiles' Auge) bezeichnet werden, welches aufgrund dieses mythologischen und religiösen Hintergrunds als Symbol des Unversehrten eines der meistgebrauchten Apotropaika in Ägypten wurde (Abb. 4).
 
Abb. 4: Udjataugen-Amulett aus Fayence, 6. bis 4. Jhd. v. Chr., Herkunft: Susa; heute: Paris, Louvre, Sb 3566 [Quelle: Wikimedia commons: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Eye_Horus_Louvre_Sb3566.jpg].

Gleichzeitig werden die Augen dieser Gottheiten mit den Gestirnen Sonne und Mond gleichgesetzt, wodurch sie in die Vorstellungen von Mondzyklus und Sonnenlauf eingebunden wurden. Ein anderer mit dem Auge verbundener Mythos handelt vom 'Auge des Sonnengottes', verkörpert durch eine löwengestaltige Göttin, die entweder ausgesendet wurde oder sich im Zorn nach Süden in das Land Nubien entfernte, um dann wieder besänftigt und nach Ägypten zurückgeholt zu werden. Die Geschichte vom 'Sonnenauge' bzw. der 'Göttin, die in die Ferne geht', ist heute auch bekannt unter dem Titel: "Mythos vom Sonnenauge" (Fn. 4).

Neben den hier vorgestellten 'Augensagen' ist das Auge in religiösen und mythologischen Texten auch in weitere Vorstellungen eingebunden, die für das Dissertationsprojekt besonders von Interesse sind. Auch die Augenbestandteile, die in der Forschung bislang kaum Beachtung gefunden haben, werden in der Arbeit auf damit verbundene Konzepte untersucht werden. Daran schließt sich die Frage an, welche Macht vom Auge ausging, ob es als aktiv oder passiv angesehen wurde. In diesem Zusammenhang ist sicherlich eine Untersuchung des 'bösen Auges' gewinnbringend, insbesondere in Verbindung mit einem Vergleich dieses Konzepts im alten Orient.


Im Kontrast zum gesunden, funktionsfähigen Auge muss auch betrachtet werden, was geschah, wenn das Auge in seiner Funktion gestört oder gar nicht mehr vorhanden war. Wie wurde Blindheit (Abb. 5) bewertet bzw. konzeptuell in die Texte eingebunden? Spielte absichtliches Blenden in Ägypten eine Rolle und wenn ja: Wer wurde überhaupt geblendet?
Abb. 5: Blinder Musiker im Grab des Nacht (TT 52), 18. Dynastie [Quelle: Wikimedia commons: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Maler_der_Grabkammer_des_Nacht_001.jpg].

Um Vorstellungen vom Auge und seiner Bestandteile richtig verorten zu können, sind lexikali­sch-semantische Vorüberlegungen zu jedem zu behandelnden Wort nötig. Die Arbeit ist daher als Wortfelduntersuchung angelegt, bei der alle Lexeme aus dem semantischen Feld 'Auge' analysiert werden. Das für die Untersuchung zu bearbeitende philologische Material umfasst alle Textgattungen/Literaturbereiche und reicht von den Anfängen der Schrift bis in die griechisch-römische Zeit, um ein möglichst vollständiges Bild vom Auge auf­zu­zeigen. Durch eine Kontextualisierung kann zudem herausgefiltert werden, ob bestimmte Gebrauchsweisen immer wiederkehren und ob bestimmte Worte im gleichen Kontext vorkommen oder unabhängig verwendet werden können. Die Analyse diachroner Entwicklungen innerhalb des Wortfeldes lässt darüber hinaus mögliche Bedeutungs- bzw. Gebrauchswandel feststellen.

Als Beispiel lässt sich die Verbindung "Mädchen im Auge"  (Hwn.t jmj.t jr.t) anführen, die Gräßler im Rahmen ihres Dissertationsprojektes bearbeitete. Das "Mädchen im Auge" wird von dem Ägyptologen Hermann Grapow als bildlicher Ausdruck für die Pupille gedeutet (Fn. 5). Der Begriff sei durch die Beobachtung entstanden, dass sich das Spiegelbild des Gegenübers im Bereich der Pupille wiederspiegelt (Abb. 6).


 Abb. 6: Das Foto zeigt im Bereich der Augen deutlich die im Bereich der Iris und Pupille vorhandene Spiegelung dessen, was sich im Blickfeld des Jungen befindet. ["Dark hair boy with brilliant eyes, Varanasi Benares India". (Creative Commons-Lizenz, Quelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:India_-_Varanasi_dark_hair_boy_-_2638.jpg?uselang=de; Foto: © Jorge Royan]

Dieses Phänomen ist nicht nur im Ägyptischen zu beobachten: Auch aus dem Akkadischen ist eine "Göttin der Augen" (lamassat īni) bekannt (Fn. 6), die mit dem Pupillenbereich assoziiert wurde und in Griechenland ist das Wort κόρη, wörtl. "Mädchen", ein poetischer Begriff für die Pupille (Fn. 7). Carlo Tagliavini hat in einer Studie von 1949 die in semitischen und hamito-semitischen Sprachen vorkommenden Bezeichnungen für die Pupille zusammengestellt und verglichen (Fn. 8). Dort kann er zeigen, dass 'Mädchen', 'Knabe' oder 'Kind im Auge/des Auges' in 15 der ihm verfügbaren Sprachen als Ausdruck für die Pupille verwendet werden. Und nicht nur in den semitischen Sprachen ist dieser Ausdruck geläufig, auch in indogermanischen, indochinesischen und ugro-finnischen Sprachen sind semantisch verwandte Begriffe vorhanden.

Parallel zur philologischen Arbeit dient ein Abgleich mit archäologischen und bildlichen Zeugnissen der Über­prüfung, ob sie mit den Aussagen in philologischen Belegen übereinstimmen: Denn entgegen der allgemein bekannten 'schematischen' Darstellungsweise des Auges im Flachbild ist doch festzustellen, dass der Aufbau des Auges sehr gut beobachtet wurde. Beispielsweise findet man bei Augeneinlagen von Statuen überwiegend aus dem Alten Reich unterschiedliche Materialien für Pupille und Iris (Abb. 7).
 Abb. 7: Sitzstatue der Nofret aus Meidum, Altes Reich (4. Dynastie); heute: Ägyptisches Museum Kairo (CG 4) [Quelle: Wikimedia commons: http://en.wikipedia.org/wiki/File:Nofret_statue.jpg]

Das Projekt ist außerdem interdisziplinär angelegt. Material aus Mesopotamien, eingegrenzt auf Quellen in akkadischer Sprache, soll nach Auswertung der ägyptischen Quellen vergleichend herangezogen werden. Denn durch den Ver­gleich mit einer direkten Nachbarkultur, mit der kontinuierlicher Austausch stattfand, kön­nen Aussagen über mögliche Tradierungen getroffen und Spezifitäten hervorgehoben werden. Dies ist beispielsweise aufschlussreich für bestimmte Konzepte, die sowohl in Ägypten als auch in Mesopotamien auftreten.

Fußnoten:
[1] Assmann, Aleida, "Auge und Ohr. Bemerkungen zur Kulturgeschichte der Sinne in der Neuzeit", in: Aharon R. E. Agus / Jan Assmann, Ocular Desire / Sehnsucht des Auges, Berlin 1994, 142–160.
[2] U.a.: Hirschberg, Julius, Geschichte der Augenheilkunde im Althertum (Geschichte der Augenheilkunde; 12), Leipzig 1899, 1–27; Waugh, Richey L., The Eye and Man in Ancient Egypt (Hirschberg History of Ophthalmology: Monographs; 1), Oostende 1995; Nunn, John F., Ancient Egyptian Medicine, London 1996; Westendorf, Wolfhart, Handbuch der altägyptischen Medizin I (HdO I, 36,1), Leiden u.a. 1999, 146–157.
[3] Hoffmann, Friedhelm, Das Wort DfD, in: GM 132, 1993, 37f.
[4] Zum "Mythos vom Sonnenauge" siehe Quack, Joachim Friedrich, "Die Heimkehr der Göttin", in: Friedhelm Hoffmann / Joachim Friedrich Quack, Anthologie der demotischen Literatur (Einführungen und Quellentexte zur Ägyptologie; 4), Berlin 2007, 195–229; 356–360.
[5] Grapow, Hermann, Vergleiche und andere bildliche Ausdrücke im Ägyptischen, Leipzig 1920, 131.
[6] Vgl. Abusch, Tzvi / Schwemer, Daniel, "Das Abwehrzauber-Ritual Maqlû („Verbrennung“)", in: Bernd Janowski / Gernot Wilhelm (Hgg.), Texte aus der Umwelt des Alten Testaments. Neue Folge 4, Gütersloh 2008, 165, Anm. 89.
[7] Siehe z.B. Jackson, Howard, Isis, "Pupil of the Eye of the World", in: Chronique d’Égypte 61, 1986, 116–135.
[8] Tagliavini, Carlo, "Die alcune denominazioni della 'pupilla'", in: Istituto Universitario Orientale di Napoli/Annali N.S. 3, 1949, 341–378.